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Vom Schicksal

Marcus Tullius Cicero: Vom Schicksal - Kapitel 13
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Schicksal
pages980-1016
created20080519
sendergerd.bouillon@t-online.de
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11. Scharfsinniger ging CarneadesSchüler des Arcesilas, Gründers der dritten Academie, geboren 213. v. Chr. zu Werke, welcher lehrte, es können die Epicuräer ihre Sache ohne dieses 1000 Hirngespinnst von einer Abweichung vertheidigen. Denn da sie lehrten, es sey eine freiwillige Bewegung der Seele möglich, so hätten sie besser gethan, diesen Satz zu vertheidigen, als eine Abweichung anzunehmen, für die sie noch obendrein keine Ursache finden können. Und hätten sie Dieß durchgefochten, so könnten sie sich leicht gegen den Chrysippus halten. Denn hätten sie auch zugestanden, daß es keine Bewegung ohne Ursache gebe, so brauchten sie doch nicht zuzugeben, es geschehe Alles, was geschieht, in Folge vorausgehender Ursachen; denn [konnten sie sagen] die Ursachen [Triebfedern] unseres Willens seyen keine äussern und vorausgehenden. Es ist also ein bloßer Mißbrauch des gemeinen Sprachgebrauches, wenn wir sagen, es wolle Einer Etwas, oder wolle es nicht, ohne Ursache. Denn das »ohne Ursache« verstehen wir so, (er wolle Etwas, oder wolle es nicht) ohne eine äussere und vorausgehende Ursache, nicht, ohne alle Ursache. Gerade wie wir, wenn wir von einem Gefäße sagen, es sey leer, nicht den Sprachgebrauch der Naturforscher berücksichtigen, welche behaupten, es gebe gar nichts Leeres; sondern so sprechen, daß wir, zum Beispiel, damit sagen wollen, es sey in dem Gefäße kein Wasser, kein Wein, kein Oehl; so wollen wir, wenn wir sagen, die Seele bewege sich ohne Ursache, nur zu verstehen geben, sie bewege sich ohne vorausgehende und äussere Ursache, nicht aber, überhaupt (ganz und gar) ohne Ursache. Von einem Atom selbst, wenn es sich vermöge seiner Schwere und seines Gewichts durch den leeren Raum bewegt, läßt sich sagen, es bewege sich ohne Ursache, weil keine Ursache von aussen hinzutritt. Auf der andern Seite aber, damit nicht alle Physiker sich über uns 1001 lustig machen, wenn wir sagen, es geschehe Etwas ohne Ursache, muß man wieder unterscheiden, und so sprechen, das sey eben die Natur eines untheilbaren Körpers, daß er durch (sein) Gewicht und (seine) Schwere in Bewegung gesetzt werde, und eben Dieß sey die Ursache, warum er diese Richtung nehme. Gleicherweise braucht man zu (Erklärung der) freiwilligen Bewegungen der Seele keine äussere Ursache aufzusuchen. Denn die freiwillige Bewegung ist ihrer Natur nach von der Art, daß sie in unserer Gewalt ist, und zu Folge unseres Willens geschieht, und Dieß nicht ohne Ursache. Denn die Ursache davon ist eben ihre Natur. Da sich Dieß so verhält, warum soll denn der Satz nicht gelten, daß jeder bestimmte Ausspruch entweder wahr oder falsch sey, ohne daß wir zugeben müßten, es geschehe Alles, was geschieht, dem Schicksal zu Folge. Weil dasjenige Künftige, sagt er, nicht wahr [wirklich] seyn kann, was keine Ursachen hat, warum es in Zukunft seyn soll; so muß nothwendig Das, was wirklich ist, Ursachen haben; folglich muß es, wenn es geschehen ist, dem Schicksal zu Folge geschehen seyn.

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