Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 95
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

XXIII. Nun sind zwar Theopompus, Ephorus, Philiskus, NaukratesUeber Theopompus und Ephorus s. oben zu Kap. 13. Philiskus hat mit Recht Ellendt nach einer Verbesserung Göllert's (de situ et orig. Sicil. p. 110) für die Lesart der Handschriften Philisti hergestellt; Philistus wird oben von Cicero Kap. 13, §. 57. nach Thukydides, aber vor Theopompus und Ephorus gesetzt. Philiskus aus Milet war ein Schüler des Isokrates und Lehrer des Historikers Timäus. – Naukrates soll besonders Leichenreden, sowie auch ein Werk über Redekunst geschrieben haben. und viele Andere an Naturanlagen verschieden, aber in ihrer Absicht sowohl unter sich als ihrem Lehrer ähnlich. Ferner diejenigen, die sich den Rechtsverhandlungen zuwandten, wie Demosthenes, Hyperides, Lykurgus, Aeschines, DinarchusUeber den Demosthenes und Hyperides s. zu I. 13, 58. Lykurgus aus Athen, geb. 408 v. Chr., ein Schüler des Platon und Isokrates; von seinen Reden ist nur noch Eine übrig, die gegen Leokrates. Aeschines, ans Athen, gleichfalls ein Schüler des Isokrates, Gegner des Demosthenes. Von ihm haben wir noch drei Reden übrig. Dinarchus stammte aus Korinth, lebte aber von Jugend auf zu Athen; er war ein Schüler des Theophrastus, geb. 360 v. Chr., gest. 319. Von seinen Reden sind noch drei übrig. und mehrere Andere, stimmten, obwol sie einander nicht gleich waren, doch darin überein, daß sie alle auf gleiche Weise in ihren Reden die Wirklichkeit darzustellen suchten. Und so lange man sich diese zum Vorbilde bei der Nachahmung nahm, so lange lebte auch diese Art der Beredsamkeit und eine gleiche Bestrebung. 95. Als aber nach ihrem Tode das Andenken an sie allmählich ganz verdunkelt wurde und verschwand, blühen andere Arten der Beredsamkeit, die einen weichlicheren und minder kräftigen Charakter hatten. Hieraus gingen DemocharesDemochares schrieb mehrere Reden und eine Athenische Geschichte seiner Zeit. S. Cicer. Brut. 83, 286., der ein Schwestersohn des Demosthenes gewesen sein soll, dann der berühmte Phalereer DemetriusDemetrius Phalereus lebte zur Zeit Alexanders des Großen und war ein Schüler des Theophrastus; unter Kassander war er Oberbefehlshaber von Athen, nachher aber wurde er von Antigonus und Demetrius Poliorcetes vertrieben; er starb zu Alexandria (284 v. Chr.). Er war ein sehr gelehrter Mann und hatte viele Schriften über Geschichte und Philosophie, sowie viele Reden und Gedichte hinterlassen, die aber sämmtlich verloren gegangen sind. Das rhetorische Werk über den Ausdruck (περὶ ερμηνείας) wird ihm mit Unrecht beigelegt., der meines Erachtens unter allen diesen Rednern der Eingebildeteste ist, und andere diesen ähnliche hervor. Sollen wir diese Erscheinungen bis auf unsere Zeit verfolgen, so werden wir sehen, daß, sowie noch heut zu Tage jener Menekles aus Alabanda und sein Bruder HieroklesMenekles aus Alabanda in Karien und sein Bruder Hierokles waren berühmte Asiatische Redner. S. Cicer. Brut. 95, 322. Orat. 69, 230., die ich gehört habe, von ganz Asien zu Vorbildern gewählt werden, so immer ein Redner gelebt hat, dem die Meisten ähnlich zu werden wünschten. 96. Wer nun sein Vorbild durch Nachahmung erreichen will, der muß es sowol durch häufige und angestrengte Uebung, als auch ganz besonders durch Schreiben zu erfassen suchen. Thäte dieß unser Sulpicius hier, so würde sein Vortrag weit bestimmter sein, während sich jetzt bisweilen, wie die Landleute von der Saat zu sagen pflegen, in der größten Fruchtbarkeit eine wuchernde Ueppigkeit zeigt, die durch den Griffel beschnitten werden muß. 97. Da sagte Sulpicius: Du hast ganz Recht, daß du mir diesen Wink gibst, und ich nehme ihn dankbar an; aber auch du, lieber Antonius, glaub' ich, hast nicht viel geschrieben. Ei, entgegnete dieser, du sprichst ja gerade so, als ob ich Anderen nicht in dem Unterricht ertheilen sollte, was mir selbst abgeht; ja meint man doch, ich führe nicht einmal Rechnungsbücher. Doch wie ich in dieser Sache verfahre, läßt sich aus meinem Haushalte beurtheilen, wie aber in jener, aus meinen Reden, wie unbedeutend sie auch sein mögen. 98. Doch sehen wir auch Viele, die Niemandem nachahmen und durch eigene Naturanlage ohne irgend ein Vorbild ihr Ziel glücklich erreichen. Dieß läßt sich mit Recht an euch, Cäsar und Cotta, bemerken; denn du hast dir eine unseren Rednern ungewöhnliche Feinheit des Witzes, und du die scharfsinnigste und gründlichste Redeweise angeeignet. Auch euer Altersgenosse CurioGajus Scribonius Curio, 88 v. Chr. Volkstribun, 74 Consul. Ueber ihn urtheilt Cicer. Brut. 58. Orat. 37, 129. minder günstig. Ueber seines Vaters Beredsamkeit s. Cicer. Brut. 32, 122. scheint mir, obwol sein Vater meines Erachtens vielleicht der größte Redner seiner Zeit war, Niemandem vorzugsweise nachzuahmen, und doch hat er durch Würde, Zierlichkeit und Fülle des Ausdruckes seiner Rede eine eigene Form und besonderes Gepräge aufzudrücken verstanden: was ich am Besten in der Rechtssache beurtheilen konnte, die er gegen mich vor den Centumvirn für die Brüder Cossus führteDie hier erwähnte Rechtssache ist unbekannt., in welcher ihm keine Eigenschaft fehlte, die nicht bloß ein beredter, sondern auch ein einsichtsvoller Redner besitzen soll.

 << Kapitel 94  Kapitel 96 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.