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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 93
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXI. 88. Und um nun mit unserem Freunde den Anfang zu machen, so wisse, Catulus, unseren Sulpicius hier hörte ich zuerst in einer unbedeutenden Sache als noch sehr jungen Mann reden. Stimme, Gestalt, Bewegung des Körpers und die übrigen Eigenschaften waren für den Beruf, von dem wir reden, geeignet; seine Rede ferner war schnell und feurig, eine Folge seiner Gemüthsart; der Ausdruck aufbrausend und etwas zu überschwänglich, eine Folge seiner Jugend. Ich konnte ihn nicht mißbilligen; denn ich wünsche, daß sich bei einem jungen Manne eine üppige Fruchtbarkeit zeige. Sowie es nämlich an den Weinstöcken leichter ist die zu üppig wuchernden Ranken zu beschneiden, als, wenn das Holz nichts taugt, neue Reiser durch Pflege hervorzutreiben; so sehe ich es gern, wenn der junge Mann eine Fülle besitzt, von der ich Etwas abschneiden kann. Denn von nicht langer Ausdauer kann der Saft in einer Frucht sein, die gar zu schnell zur Reife gediehen ist. 89. Ich erkannte sofort seine geistige Begabung, und ohne Zeit zu verlieren, forderte ich ihn auf das Forum als die Schule zu betrachten, wo er lernen müsse, zum Lehrer aber sich Einen nach Belieben auszuwählen, wenn er auf mich hören wolle, den Lucius Crassus. Begierig erfaßte er diesen Rath und versprach dieß zu thun und fügte auch noch hinzu, natürlich bloß um sich dankbar zu beweisen, auch ich sollte ihm Lehrer sein. Kaum war ein Jahr seit dieser Unterredung mit ihm und meiner Aufforderung verlaufen, als er den Gajus Norbanus anklagte, den ich vertheidigte.Quintus Servilius Cäpio, Consul im J. 104 v. Chr., hatte bei der Eroberung der Stadt Tolosa (jetzt Toulouse) im Narbonensischen Gallien einen großen Theil des erbeuteten Goldes unterschlagen. Im folgenden Jahre wurde ihm, als Proconsul, und dem Consul Cn. Gallius die Führung des Krieges gegen die Cimbern anvertraut; die Römer aber erlitten durch die Uneinigkeit der beiden Feldherren und besonders durch die Schuld des Cäpio eine ungeheure Niederlage, worauf Cäpio abgesetzt und seine Güter eingezogen wurden. Aber erst unter dem Consulate des Crassus und Scävola (93 v. Chr.) wurde er von dem Volkstribun Norbanus wegen des unterschlagenen Goldes und wegen Hochverrates angeklagt. Da aber der Senat, dem er während seines Consulates (104) die Gerichte wieder zu verschaffen gesucht hatte, sich auf das Eifrigste seiner annahm und auch zwei Volkstribunen für ihn auftraten; so kam es zu einem heftigen Aufstande. Cäpio wurde verurtheilt, Norbanus aber im folgenden Jahre wegen dieses Aufstandes, den er erregt zu haben beschuldigt wurde, von P. Sulpicius Rufus angeklagt. Antonius vertheidigte den Norbanus, und dieser wurde freigesprochen. Vgl. II. 47, 197. Es ist unglaublich, welchen Unterschied ich zwischen ihm, wie er damals war, und wie er ein Jahr zuvor gewesen war, bemerkte. Allerdings leitete ihn zu jener großartigen und herrlichen Redeweise des Crassus seine eigene Naturanlage; aber mit dieser allein hätte er nicht genug ausrichten können, wenn er nicht zugleich Fleiß und Nachahmung auf dasselbe Ziel hin gerichtet und sich so zu reden gewöhnt hätte, daß er stäts mit ganzem Geiste und ganzem Gemüthe den Crassus als sein Vorbild anschaute.

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