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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 84
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XII. 49. Wie? fuhr Antonius fort, wenn, wie es oft bei hochgestellten Männern der Fall ist, Aufträge ausgerichtet werden sollen entweder in dem Senate von einem Feldherrn oder von dem Senate an einen Feldherrn oder an einen König oder an ein Volk, glaubst du, weil in solchen Fällen eine große Sorgfalt im Ausdrucke nöthig ist, man müsse deßhalb dieses als eine besondere Abtheilung von Verhandlungen aufzählen und mit besonderen Vorschriften versehen? – Keineswegs, sagte Catulus; denn einen beredten Mann wird bei solchen Gelegenheiten die Fertigkeit nicht im Stiche lassen, die er durch andere Fälle und Verhandlungen gewonnen hat. 50. – Aus demselben Grunde, fuhr er fort, finden auch andere Gegenstände, die oft einen beredten Vortrag erfordern, und die ich kurz zuvor, als ich die Beredsamkeit lobte, dem Bereiche des Redners zugewiesen habe, keine eigene Stelle bei der Zerlegung der Theile und keine besondere Gattung von Vorschriften, obwol sie nicht minder beredt vorgetragen werden müssen, als die Gegenstände, welche bei einer Rechtssache abgehandelt werden, ich meine Verweise, Aufmunterungen, Tröstungen. lauter Gegenstände, welche den ausgezeichnetesten Schmuck der Rede verlangen; aber Regeln der Kunst bedürfen sie nicht. Ich stimme dir vollkommen bei, sagte Catulus. 51. – Wohlan denn, fuhr Antonius fort, welche Beredsamkeit und welche Gewandtheit in der Darstellung, meinst du, muß der Mann besitzen, der eine Geschichte schreiben will? – Wenn er sie, wie die Griechen, schreiben will, sagte Catulus, eine ausnehmend große; wenn, wie die Unsrigen, so bedarf es nicht des Redners; es genügt nicht unwahr zu sein. – Doch, damit du nicht die Unsrigen verachtest, sagte Antonius; so wisse, auch die Griechen selbst haben anfänglich so geschrieben, wie unser Cato, Pictor, PisoMarcus Porcius Cato, der Aeltere, mit dem Beinamen der Weise und Censorius, 196 vor Chr. Consul, 186 Censor, schrieb eine Urgeschichte (Origines) der Italischen Völker in sieben Büchern. S. Cornel. Nep. Cat. c. 3. – Fabius Pictor lebte zur Zeit des zweiten Punischen Krieges. Er schrieb Jahrbücher von der Gründung Roms bis zum Ende des zweiten Punischen Krieges. – Lucius Calpurnius Piso Frugi, 133 v. Chr. Consul, 120 Censor. Er war der erste, der ein Gesetz über Erpressungen (de repetundis) gab, im J. 149 v. Chr., als er Volkstribun war. Er hat Reden und Annalen (von der Gründung Roms bis auf seine Zeit) geschrieben.. 52. Die Geschichte war nämlich nichts Anderes, als eine Abfassung von Jahrbüchern. Zu diesem Zwecke und um das Andenken an die öffentlichen Begebenheiten zu erhalten, war es vom Beginne des Römischen Staates bis auf den Oberpriester Publius ScävolaPublius Mucius Scävola 134 v. Chr. Consul. gebräuchlich, daß der Oberpriester alle Begebenheiten jedes Jahres schriftlich verzeichnete und auf eine Tafel eintrugNach Lambin's vortrefflicher Muthmaßung referebat statt efferebat., die er alsdann in seiner Wohnung aufstellte, damit jeder Bürger Gelegenheit habe sie einzusehen. Das sind die Jahrbücher, die noch heute die großen Jahrbücher heißen. 53. Eine dieser ähnliche Schreibart befolgen viele Andere, welche ohne allen Schmuck der Darstellung nur Urkunden von Jahreszahlen, Namen, Gegenden und Begebenheiten hinterließen. Wie also bei den Griechen Pherekydes, Hellanikus, AkusilasDiese drei Geschichtschreiber waren Logographen, Vorgänger Herodots, und behandelten die Sagengeschichte. Pherekydes lebte zu Athen; Hellanikus war aus Mitylene auf der Insel Lesbos; Akusilas aus Argos war der älteste Geschichtschreiber; er arbeitete des Hesiodus Theogonie in Prosa um. und sehr viele Andere waren, so sind bei uns Cato, Pictor und Piso. Unkundig alles Redeschmuckes (denn erst kürzlich hat dieser bei uns Eingang gefunden;) und zufrieden, wenn nur das, was sie sagen, verstanden wird, halten sie die Kürze für den einzigen Vorzug der Rede. 54. Ein wenig mehr erhob sich und verlieh der Geschichte einen höheren Ton der vortreffliche AntipaterLucius Cälius Antipater, der zur Zeit der Gracchen lebte, schrieb eine Geschichte des zweiten Punischen Krieges., des Crassus vertrauter Freund. Die übrigen trugen die Geschichte ohne Schmuck der Darstellung vor und waren nichts Anderes, als einfache Erzähler.

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