Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 82
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

X. 39. Hierauf sagte Catulus: Obwol es sich keineswegs geziemt den Lauf deiner Rede, mein Antonius, durch eine Unterbrechung zu hemmen; so wirst du es doch geschehen lassen und mir verzeihen. Denn ich kann nicht umhin mich laut auszusprechen, wie jener im TrinummusPlaut. Trinumm. III. 2, 79. sagt; so scharfsinnig schienst du mir die Bedeutung des Redners darzulegen, mit solcher Fülle zu loben. Freilich einem großen Redner muß es am Besten gelingen die Beredsamkeit zu loben; denn um sie zu loben, muß er gerade die Kunst anwenden, die er lobt. Doch fahre nur weiter fort; denn ich stimme dir darin bei, daß diese ganze Kunst beredt zu reden euer Eigenthum ist, und daß, wenn jemand in einer anderen Wissenschaft dieses leistet, er sich eines anderswoher geborgten Gutes, nicht aber seines eigenen bedient. 40. Und Crassus fügte hinzu: Die Nacht hat dich uns, mein Antonius, abgeschliffen und dich wieder als Menschen zurückgegeben. Denn in deiner gestrigen Unterredung hattest du uns den Redner als einen Ruderknecht oder Reffträger, der immer dieselbe TaglöhnerarbeitS. I. 62, 263. treibt, wie CäciliusCäcilius Statius aus Gallia Cisalpina, ein Römischer Komödiendichter, der besonders Stücke des Menander in die lateinische Sprache übertrug. Er soll ein Jahr nach Ennius (168 v. Chr.) gestorben sein. Wir haben von seinen Komödien nur noch Bruchstücke übrig, die von L. Spengel (Monach. 1829) gesammelt sind. sagt, beschrieben, als einen Menschen, der aller höheren und feineren Menschenbildung entbehrt. – Hierauf erwiderte Antonius: Ja, gestern hatte ich mir vorgenommen dich zu widerlegen und dadurch dir diese Schüler abwendig zu machen; jetzt aber, da Catulus und Cäsar Zuhörer sind, glaube ich nicht sowol mit dir streiten, als meine eigene Ansicht darlegen zu müssen. 41. Zunächst also, weil wir den, von dem wir reden, auf das Forum und vor die Augen der Bürger hinstellen sollen, müssen wir untersuchen, welches Geschäft wir ihm übertragen und welchem Amte wir ihn vorgesetzt sehen wollen. Denn Crassus hat gesternS. I. 31., als ihr, Catulus und Cäsar, noch nicht zugegen wart, in Betreff der Einteilung der Wissenschaft einen kurzen Abriß gegeben, in derselben Weise, wie es die meisten Griechen gethan haben, und ich möchte wol sagen, nicht seine eigene Ansicht ausgesprochen, sondern die Lehrsätze jener vorgelegt: es gebe nämlich zwei Hauptmassen von Streitfragen, mit denen sich die Beredsamkeit beschäftige, die eine der unbestimmten, die andere der bestimmten. 42. Unbestimmte schien er mir diejenigen zu nennen, bei welchen man im Allgemeinen fragt, z. B. auf die Weise: Ist die Beredsamkeit wünschenswerth? sind Ehrenämter wünschenswerth? Bestimmte aber diejenigen, bei welchen sich die Frage auf Personen und auf einen festgesetzten und bestimmten Gegenstand bezieht, von welcher Art die Fragen sind, welche auf dem Forum und in den Rechtshändeln und Streitigkeiten der Bürger vorkommen. 43. Dieselben finden nach meiner Meinung statt, entweder wenn man einen Vortrag über eine Streitsache hältin lite oranda nach der scharfsinnigen Muthmaßung von Guilielmus statt in lite ordinanda., oder wenn man Rath ertheilt. Denn jene dritte Klasse, die von Crassus berührt worden ist, und die, wie ich höre, selbst Aristoteles, von dem diese Gegenstände am Meisten aufgestellt worden sind, hinzugefügt hat, ist, wenn auch ganz nützlich, doch minder nothwendig. Welche denn? fragte Catulus, etwa die der Lobreden? denn diese, weiß ich, nimmt man als die dritte Klasse an.

 << Kapitel 81  Kapitel 83 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.