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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 80
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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VIII. 31. Ei freilich, sagte Catulus, und zwar recht sehr glauben wir Grund zu haben, und um so mehr, weil du, wie ich glaube, alle Prahlsucht vermeiden wirst. Denn du hast ohne Ruhmredigkeit mehr mit dem begonnen, was nach deiner Ansicht der eigentliche Sachbestand ist, als mit einer Gott weiß wie erhabnen Würde. 32. Sowie ich nun von der Beredsamkeit im Allgemeinen zugestanden habe, fuhr Antonius fort, daß sie keine sehr bedeutende Wissenschaft sei; so behaupte ich, daß sich sehr scharfsinnige Vorschriften darüber geben lassen, wie man die Gemüther der Menschen behandeln und ihre Zuneigungen erhaschen müsse. Will man die Kenntniß hiervon für eine große Wissenschaft erklären, so habe ich Nichts dagegen. Denn da gar Viele ohne Plan und Ueberlegung in Rechtsklagen auf dem Forum als Redner auftreten, Einige dagegen wegen der Uebung oder einer gewissen Gewohnheit dieß mit größerer Geschicklichkeit thun: so unterliegt es keinem Zweifel, daß, wenn man auf die Ursachen achtet, warum die Einen besser, als die Anderen reden, man sich dieß aufzeichnen könne. Wer nun dieses in allen Theilen der Rede thut, der wird, wenn auch nicht eine vollständige Wissenschaft, doch etwas der Wissenschaft Aehnliches erfinden. 33. Und möchte ich doch, sowie ich auf dem Forum und in den Rechtssachen solche Beobachtungen zu machen glaube, so auch jetzt im Stande sein euch auseinanderzusetzen, wie sie gefunden werden! Doch ich will versuchen, was ich vermag; jetzt trage ich euch vor, was meine Ueberzeugung ist: mag auch immerhin die Beredsamkeit keine Wissenschaft sein, so gibt es doch nichts Herrlicheres, als einen vollkommenen Redner. Denn um von dem Nutzen der Rede zu schweigen, der sich in jedem friedlichen und freien Staate so mächtig zeigt, so liegt in der Redefertigkeit selbst ein so großes Vergnügen, daß die Mengen weder für das Gehör noch für den Geist etwas Angenehmeres empfinden können. 34. Denn welchen Gesang kann man lieblicher finden, als den Vortrag einer wohlgemessenen Rede? welches Gedicht schöner gefügt, als einen kunstreich gegliederten Satzbau? welcher Schauspieler kann uns durch die Nachahmung der Wahrheit mehr anziehen, als der Redner durch die Vertheidigung derselben? Was erregt mehr unsere Bewunderung, als wenn ein Gegenstand durch den Glanz der Worte beleuchtet wird? Was ist reichhaltiger als eine mit jeder Art von Sachen reichlich ausgestattete Rede? Denn es gibt keinen Gegenstand, der nicht dem Redner angehörte, wenn er mit Schmuck und Nachdruck vorgetragen werden soll.

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