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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 79
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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VII. 26. Hierauf sagte Cäsar: Ich meinerseits, Catulus, glaube schon meine Mühe gut angewandt zu haben, daß ich hierher gekommen bin; denn selbst diese Ablehnung des Vortragt war mir wenigstens ein sehr angenehmer Vortrag. Aber warum halten wir den Antonius ab, welchem, wie ich höre, es obliegt sich über die ganze Beredsamkeit auszusprechen, und auf welchen Cotta und Sulpicius schon lange warten? 27. O nein, sagte Crassus, ich werde den Antonius kein Wort reden lassen und werde selbst verstummen, wofern ihr mir nicht zuvor eine Bitte gewährt. Und die wäre? fragte Catulus. – Daß ihr heute hier bleibt. – Hierauf, als er noch unschlüssig war, weil er sich schon bei seinem Bruder versagt hatte, sagte Julius: Ich antworte für uns beide: Das wollen wir thun, und zwar unter dieser Bedingung würdest du mich halten, gesetzt auch, du wolltest kein Wort mehr reden. 28. Da lächelte Catulus und sagte zugleich: Die Bedenklichkeit ist mir wenigstens abgeschnitten; denn einerseits habe ich zu Hause keine Befehle ertheilt, andererseits hat der, bei dem ich bleiben wollte, ohne meine Ansicht anzuhören, so leicht zugesagt. Da waren Aller Augen auf Antonius gerichtet, und er ließ sich also vernehmen: Hört denn, hört! Einen Mann sollt ihr hören aus der Schule, der von einem Lehrmeister gebildet und in der Griechischen Literatur unterrichtet ist. Und zwar werde ich mit um so größerem Selbstvertrauen reden, weil Catulus als Zuhörer hinzugekommen ist, dem nicht allein wir in der Lateinischen Sprache, sondern auch die Griechen selbst in der ihrigen Feinheit und Zierlichkeit des Ausdrucks zuzugestehen pflegen. 29. Aber dennoch, weil nun einmal diese ganze Sache, was sie auch sein mag, gleichviel, ob eine Wissenschaft oder kunstmäßige Fertigkeit der Rede, gar nicht bestehen kann, wenn nicht eine dreiste Stirn hinzutritt, will ich euch, meine Schüler, lehren, was ich selbst nicht gelernt habe, und euch meine Ansicht über die Beredsamkeit im Allgemeinen vorlegen. 30. Man lächelte bei diesen Worten, er aber fuhr also fort: Ich sehe sie als eine Sache an, die, als Geschicklichkeit betrachtet, ausgezeichnet, als Kunst, unbedeutend ist. Denn die Wissenschaft gehört nur den Dingen an, welche gewußt werden; des Redners ganze Thätigkeit aber beruht auf Meinungen und nicht auf Wissen. Denn wir reden vor Leuten, die unwissend sind, und reden über Gegenstände, von denen wir selbst Nichts wissen. Sowie nun jene über dieselben Gegenstände bald so bald anders denken und urtheilen, so vertheidigen wir oft entgegengesetzte Rechtshändel. So kommt es, daß nicht nur Crassus zuweilen gegen mich redet oder ich gegen Crassus, obwol einer von beiden nothwendig die Unwahrheit sagen muß, sondern auch wir beiden über denselben Gegenstand zu verschiedenen Zeiten verschiedene Ansichten verfechten, obwol es nur Eine Wahrheit geben kann. Wie von einem Gegenstande also, der sich auf Unwahrheit gründet, der sich nicht oft bis zum Wissen erhebt, der nach den Meinungen der Menschen und oft nach ihren Irrthümern hascht, so werde ich von der Beredsamkeit reden, wenn ihr Grund zu haben glaubt mich anzuhören.

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