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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 75
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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III. 10. Doch will ich dich jetzt nicht, teuerster und bester Bruder, zu deiner Belehrung mit gewissen rhetorischen Schriften, die du für abgeschmackt hältst, belästigen; denn wie kann ein rednerischer Vortrag an Reinheit oder Schmuck den deinigen übertreffen; aber entweder aus Grundsatz, wie du zu sagen pflegstOhne Grund haben mehrere Herausgeber die Muthmaßung von Pearce aufgenommen: ut soleo statt ut soles, oder, wie jener Vater der Beredsamkeit, Isokrates, von sich selbst geschrieben hatIsocrat. Panathen. p. 261, 10., aus einer gewissen edelen Schüchternheit und Ängstlichkeit hast du dich gescheut öffentlich als Redner aufzutreten, oder auch, wie du selbst im Scherz zu sagen pflegst, weil du meintest, Ein Redekünstler sei genug nicht nur in Einer Familie, sondern fast in einem ganzen Staate. Nicht jedoch, glaube ich, wirst du diese Bücher zu denjenigen Schriften über die Redekunst zählen, welche man wegen der Dürftigkeit ihrer Verfasser in den edelen Wissenschaften mit Recht verspotten darf. 11. Denn in der Unterredung des Crassus und Antonius ist nach meiner Ansicht wenigstens Nichts übergangen, wovon man annehmen könnte, daß es bei den vortrefflichsten Geisteskräften, bei feueriger Lernbegierde, bei dem besten Unterrichte und der größten Uebung habe erkannt und erlernt werden können, und dieß wirst du am Leichtesten beurtheilen können, der du die wissenschaftliche Kenntniß der Beredsamkeit durch dich selbst, ihre Anwendung aber durch mich erlernen wolltest. Doch damit ich die nicht unwichtige Aufgabe, die ich mir gestellt habe, um so schneller zu Stande bringe, laß mich mit Uebergehung meiner Aufmunterung zu der Unterredung und Untersuchung der beiden Redner, die ich aufgestellt habe, kommen. 12. Am folgenden Tage also nach der ersten Unterredung etwa um sieben Uhr Morgens, als Crassus noch im Bette lag und Sulpicius bei ihm saß, Antonius aber mit Cotta in der Säulenhalle auf- und abging, kam plötzlich der alte Quintus Catulus mit seinem Bruder Gajus JuliusQ. Catulus war 100 v. Chr. mit Marius Consul, mit dem er die Cimbern und Teutonen besiegte. Auch war er ein fein gebildeter und beredter Mann. Von Marius geächtet nahm er sich das Leben (vgl. III. 3, 9.), indem er durch Kohlendämpfe erstickte. Gajus Jul. Cäsar Strabo war der etwa zwanzig Jahre ältere Bruder des Catulus. Im Jahre 90 v. Chr. war er Aedil. Er zeichnete sich durch feinen Witz aus. Im Jahre 85 v. Chr. wurde er von Marius getödtet. Vgl. III. 3, 10.. Sobald Crassus dieß hörte, stand er bewegt auf, und Alle verwunderten sich und vermuteten, irgend ein wichtiger Grund habe ihre Ankunft veranlaßt. 13. Als sie sich einander, wie es ihre Bekanntschaft mit sich brachte, auf das Freundschaftlichste begrüßt hatten, so sagte Crassus: Wie in aller Welt kommt ihr hierher? Bringt ihr etwas Neues? Nichts eben, erwiderte Catulus; du weißt ja, es ist die Zeit der SpieleDie Römischen Spiele, die vom vierten bis zum zwölften September zu Ehren des Jupiter, der Juno und Minerva gefeiert wurden. Während derselben fand Stillstand der Gerichte statt. Vgl. I. 7, 24.; aber – magst du es nun für eine Unschicklichkeit unsererseits oder für Zudringlichkeit halten – als gestern Abend Cäsar von seinem Tusculanum zu mir auf mein Tusculanum kam, sagte er mir, er habe auf dem Wege von hier den Scävola getroffen und von ihm wunderbare Dinge gehört: du nämlich, den ich trotz aller möglichen Versuche nie zu einem wissenschaftlichen Gespräche hätte bringen können, habest dich mit Antonius in eine ausführliche Erörterung über die Beredsamkeit eingelassen und wie in einer Schule beinahe nach Art der Griechen einen gelehrten Vortrag gehalten. 14. So ließ ich mich von meinem Bruder erbitten mit ihm hierher zu kommen; denn ich selbst empfand eine nicht geringe Lust euch zu hören und war in der That nur besorgt, wir möchten euch durch unsere Dazwischenkunft lästig fallen. Scävola nämlich, versicherte er, habe gesagt, ein guter Theil des Gespräches sei auf den heutigen Tag verschoben. Glaubst du nun, wir hätten hierin zu leidenschaftlich gehandelt, so miß dem Cäsar die Schuld bei; findest du aber darin eine zu große Vertraulichkeit, so halte uns beide für schuldig. Uns wenigstens, wenn wir nicht etwa euch durch unsere Dazwischenkunft lästig fallen, macht es Freude gekommen zu sein.

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