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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 74
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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II. Was die anderen Wissenschaften betrifft, so besteht fast jede für sich; die Wohlredenheit aber, d. h. die Kunst mit Sachkenntnis, Geschicklichkeit und Schmuck zu reden, hat nicht ein abgeschlossenes Gebiet, durch dessen Gränzen sie umschlossen gehalten wird. Ueber Alles, was auch immer bei den Menschen Gegenstand der Erörterung werden kann, muß derjenige gut reden, welcher sich für einen geschickten Redner ausgibt, oder er muß auf den Namen eines Redners verzichten. 6. Daher will ich freilich nicht in Abrede stellen, daß es sowol in unserem Staate, als auch in Griechenland selbst, das diese Wissenschaften von jeher vorzüglich in Ehren gehalten hat, viele geistreicheIn den Handschriften steht multos et ingeniis et magna laude dicendi gegen die Latinität. Wahrscheinlich ist magnis ausgefallen, also: multos et magnis ingeniis et m. l. d. und im Reden ausgezeichnete Männer auch ohne die höchste Bildung in allen Zweigen der Wissenschaft gegeben hat; das aber muß ich behaupten: eine solche Beredsamkeit, wie sie Crassus und Antonius besaßen, konnte sich ohne die Kenntniß aller der Dinge, welche zu einer so tiefen Einsicht und einer so großen Redefülle, wie sie jene Männer besaßen, erfordert sind, nicht entwickeln. 7. Um so geneigter fühle ich mich daher die Unterredung, die sie einst unter sich über diese Gegenstände geführt haben, schriftlich aufzuzeichnen, theils um jenes Vorurtheil zu entfernen, das von jeher geherrscht hat, als wäre der Eine nicht sehr gelehrt, der Andere ganz ungelehrt gewesen, theils um die nach meiner Ansicht höchst ausgezeichneten Vorträge der größten Redner über die Beredsamkeit durch die Schrift aufzubewahren, wenn ich sie irgend wie zu begreifen und zusammenzufassen im Stande wäre, theils fürwahr auch um den schon fast alternden Ruf dieser Männer, so viel in meinen Kräften steht, der Vergessenheit der Menschen und dem Stillschweigen zu entreißen. 8. Denn könnte man sie aus ihren eigenen Schriften kennen lernen, so würde ich vielleicht meine Bemühung für minder nöthig erachtet haben; aber da der EineUeber die Schriften des Crassus s. Cicer. Brut. c. 43. 44. Antonius hatte in seiner Jugend eine kleine Schrift über die Redekunst geschrieben. nicht Viel, was wenigstens noch vorhanden ist, und auch dieß aus seinem Jünglingsalter, der Andere fast nichts Schriftliches hinterlassen hat; so glaubte ich es dem großen Geiste dieser Männer schuldig zu sein, das Andenken an sie, das wir jetzt noch lebendig in uns tragen, unsterblich zu machen, wenn ich es vermöchte. 9. Und mit um so größerer Hoffnung meine Behauptungen zu beweisen schreite ich an das unternommene Werk, weil ich nicht von der Beredsamkeit eines Servius Galba oder eines Gajus CarboUeber den Servius Galba s. zu I. 53, 227. und über Gajus Papirius Carbo zu I. 10, 40. Etwas niederschreibe, wobei es mir gestattet wäre nach Belieben Erdichtetes vorzutragen, da mich nicht mehr die Erinnerung eines Menschen widerlegen könnte; sondern ich veröffentliche diese Schrift, damit sie von denen geprüft werde, welche die Männer selbst, von denen ich rede, oft gehört haben. Und so empfehle ich die beiden großen Männer denen, welche keinen von beiden gesehen haben, indem ich mich auf das Gedächtniß der noch lebenden und gegenwärtigen Männer, die jene beiden Redner persönlich kannten, wie auf ein bestätigendes Zeugniß, berufe.

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