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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 42
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXXII. 144. Auch hatte ich gehört, was man über den Schmuck der Rede selbst lehrte. Zuerst wird hier vorgeschrieben, daß wir rein und ächt lateinisch reden; zweitens klar und deutlich; drittens und viertens der Würde der Gegenstände angemessen und mit Anstand. Und mit den Regeln, die man für diese Gegenstände noch im Einzelnen gab, hatte ich mich bekannt gemacht. Ja selbst für das, was ganz besonders von Naturgaben abhängig ist, sah ich Kunstregeln aufgestellt. Und so hatte ich denn auch über den äußeren Vortrag und über das Gedächtniß einige kurze Regeln, die aber mit großen Uebungen verbunden waren, gekostet. Mit diesen Gegenständen etwa beschäftigt sich nun der ganze Unterricht jener Redekünstler. Wollte ich sagen, derselbe sei von gar keinem Nutzen, so würde ich lügen. Denn er enthält einige gute Erinnerungen für den Redner, wohin er jedes Einzelne beziehen soll und worauf er sein Augenmerk zu richten hat, um nicht von dem vorgesteckten Ziele zu sehr abzuirren. 146. Doch es leuchtet mir ein, daß alle Regeln nicht einen solchen Einfluß haben, daß Redner durch ihre Befolgung den Ruhm der Beredsamkeit erlangt hätten, sondern daß dasjenige, was bereite Männer von selbst leisteten, von Einigen beobachtet und in eine gewisse Ordnung gebrachtEllendt hat die Lesart der Handschriften beibehalten: ea quondam observasse atque id egisse und erklärt id egisse durch ei operam dedisse, id dedita opera quaesivisse, studuisse ei muneri satisfacere. Allein diese Erklärung ist sehr künstlich. Ich habe daher nach der vortrefflichen Muthmaßung Gesner's atque digessisse übersetzt., und demzufolge nicht die Beredsamkeit aus der Kunst, sondern die Kunst aus der Beredsamkeit entstanden ist. Indeß verwerfe ich, wie gesagt, die Kunst nicht. Denn wenn sie auch nicht gerade unentbehrlich für die Beredsamkeit ist, so gereicht doch ihre Erlernung einem Menschen von guter Erziehung zur Zierde. 147. Auch müßt ihr gewisse Vorübungen anstellen; wiewol ihr ja schon längst in vollem Laufe seid; doch die müssen es thun, die die Laufbahn erst betreten und das, was auf dem Forum wie auf einem Schlachtfelde ausgeführt werden muß, schon jetzt gleichsam durch spielende Vorübungen im Voraus erlernen und einüben können. – 148. Gerade diese Vorübungen, fiel Sulpicius ein, möchten wir gerne kennen lernen; doch auch jene Kunstregeln, die du nur kurz durchlaufen hast, wünschen wir zu hören, obwol sie uns nicht ganz neu sind. Doch hiervon bald nachher; für jetzt ersuchen wir dich um deine Ansicht über diese Vorübung.

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