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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 39
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXIX. 131. Nun, sagte Sulpicius, so gibst du wol mir oder dem Cotta hier den Rath das bürgerliche Recht oder den Kriegsdienst zu erlernen? Denn wer möchte im Stande sein jene Höhe allseitiger Vollendung zu erreichen? Hierauf erwiderte jener: Ja wahrlich gerade deshalb habe ich dieses Alles auseinandergesetzt, weil ich in euch eine ausgezeichnete und herrliche Anlage zur Beredsamkeit erkannte, und ich hatte in meinem Vortrage die Absicht nicht sowol diejenigen abzuschrecken, welche keine natürlichen Anlagen besitzen, als vielmehr euch, die ihr sie besitzt, anzuspornen, und wiewol ich in jedem von euch die schönsten Geistesgaben und den größten Eifer finde, so sind doch die Vorzüge, welche in dem Aeußeren liegen, worüber ich vielleicht mehr gesagt habe, als die Griechen zu sagen pflegen, in dir, Sulpicius, ganz unvergleichlich. 132. Denn ich glaube keinen Redner gehört zu haben, der hinsichtlich der Bewegung und selbst der ganzen Haltung und Bildung des Körpers besser ausgestattet gewesen wäre und der eine vollere und lieblichere Stimme gehabt hätte. Diejenigen aber, denen diese Gaben in geringerem Maße von der Natur zugetheilt sind, können es doch dahin bringen, daß sie sich derer, die sie haben, mit Besonnenheit und Einsicht bedienen, und daß sie den Anstand nicht verletzen. Denn davor hat man sich ganz besonders zu hüten, und gerade über diesen einen Punkt ist es am Wenigsten leicht Vorschriften zu ertheilen, nicht nur für mich, der ich wie ein schlichter Hausvater über diese Gegenstände rede, sondern auch selbst für jenen Roscius, den ich oft sagen höre, das Haupterforderniß der Kunst sei der Anstand, doch der sei gerade das, was sich durch Kunst nicht lehren lasse. 133. Aber, wenn's beliebt, laßt uns das Gespräch auf einen anderen Gegenstand lenken und uns einmal wieder nach unserer Weise unterhalten und nicht mehr die Sprache der Redekünstler führen. – Mit Nichten, fiel Cotta ein. Denn jetzt gerade, weil du uns nun bei dieser Wissenschaft festhalten willst und uns nicht ein anderes Fach ergreifen heißt, müssen wir dich recht dringend bitten, daß du uns belehrest. Wie viel oder wie wenig du als Redner zu leisten verstehst, soll uns nichts kümmern; denn gar zu gierig sind wir nicht, wir begnügen uns gern mit deiner mittelmäßigen Beredsamkeit und wünschen weiter Nichts von dir uns anzueignen, als die Kleinigkeit, die du dir im Reden angeeignet hast. Weil du nun sagst, daß uns die Gaben, die von der Natur zu erstreben sind, nicht gänzlich fehlen; so ersuchen wir dich uns auseinanderzusetzen, was wir uns sonst noch nach deiner Meinung aneignen müssen.

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