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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 37
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXVII. Hierauf sagte Antonius: Oft habe ich, wie du sagst, die Bemerkung gemacht, Crassus, daß du und andere ausgezeichnete Redner, wiewol dir meines Erachtens nie Einer gleich kam, beim Beginne der Rede euch beunruhigt fühltet. 123. Und wenn ich die Ursache hiervon aufsuchte, wie es zugehe, daß, je mehr Gediegenheit ein Redner besitze, er desto furchtsamer sei; so fand ich folgende zwei Ursachen. Einmal nämlich wissen diejenigen, welche die Erfahrung und der Lauf der Dinge belehrt haben, daß zuweilen den ausgezeichnetsten Rednern der Erfolg der Rede nicht hinlänglich nach Wunsche entspricht; deßhalb fürchten sie nicht mit Unrecht, so oft sie reden, daß, was sich zuweilen ereignen kann, sich gerade jetzt ereignen möchte. 124. Die andere Ursache, über die ich oft zu klagen pflege, ist diese. Wenn in anderen Künsten bewährte und erprobte Männer zuweilen etwas minder gut gemacht haben, als sie sonst pflegen; so nimmt man an, sie hätten ihre Geschicklichkeit entweder nicht zeigen wollen oder wegen Unpäßlichkeit nicht zeigen können. »RosciusQuintus Roscius, der berühmteste Schauspieler damaliger Zeit. Vgl. I. 28, 130. Er starb im J. 61 v. Chr. in hohem Alter.«, sagt man, »hatte heute keine Lust zu spielen;« oder: »er hat sich den Magen etwas verdorben.« Bemerkt man aber an dem Redner einen Fehler, so hält man es gleich für einen Fehler der Dummheit. 125. Dummheit findet aber keine Entschuldigung, weil man von Niemandem annehmen kann, er habe sich dumm gezeigt, entweder weil er sich den Magen verdorben, oder weil er es so gewollt habe. Einem um so strengeren Gerichte sind wir daher beim Reden unterworfen. Denn so oft wir reden, so oft wird über uns gerichtet; und während wir von dem, der einmal im Gebärdenspiele gefehlt hat, nicht sofort urtheilen, er verstehe vom Gebärdenspiele Nichts, so steht der Redner, an dem man etwas Tadelnswerthes fand, entweder für immer oder doch auf lange Zeit in dem Rufe des Stumpfsinnes.

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