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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 31
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXI. 94. Und so habe ich, durch dieselbe Meinung verleitet, in einer kleinen Schrift, die mir wider Willen und Wissen entschlüpft und in die Hände der Menschen gekommen ist, die Aeußerung niedergeschrieben, der beredten Männer hätte ich einige gekannt, einen Redner aber noch nicht. Unter einem beredten verstand ich nämlich denjenigen, welcher mit hinlänglichem Scharfsinne und Deutlichkeit vor gewöhnlichen Leuten dem gemeinen Menschenverstand gemäß reden könne; unter einem Redner aber denjenigen, welcher auf eine bewunderungswürdigere und prächtigere Weise Alles, was er wolle, erheben und ausschmücken könne und alle Hülfsquellen für alle Gegenstände, die sich auf die Rede beziehen, mit seinem Geiste und Gedächtnisse umfasse. Wenn dieß auch für uns schwierig ist, weil wir, bevor wir zum Lernen schreiten, von Amtsbewerbungen und Gerichtshändeln erdrückt werden; so dürfte es doch in dem Wesen der Sache begründet sein. 95. Fürwahr wenn ich meinem Vorgefühle trauen darf und die trefflichen Anlagen betrachte, mit denen unsere Landsleute ausgerüstet sind; so gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß einst Einer sein wird, der, wenn er sich mit eifrigerem Fleiße, als wir haben und hatten, mit erhöhter Anstrengung und Thätigkeit bei größerer Muße und reiferer Fähigkeit zum Lernen auf das Hören, Lesen und Schreiben legen wird, sich zu einem solchen Redner, wie wir ihn suchen, ausbilden wird, der mit Recht nicht allein beredt, sondern auch ein Redner genannt werden kann. Doch nach meinem Urtheile ist ein solcher entweder schon unser Crassus hier, oder sollte ein Anderer ihm an Anlagen gleich kommen und mehr, als er, gehört, gelesen und geschrieben haben, so wird er ihm nur ein Weniges hinzufügen können. 96. Hier ergriff Sulpicius das Wort: Gegen meine und des Cotta Hoffnung, aber nach unser beider sehnlichstem Wunsche hat es sich gefügt, Crassus, daß ihr auf diese Unterredung verfielt. Denn als wir hierher kamen, erschien es uns schon erfreulich genug, wenn wir bei euerem Gespräche über andere Gegenstände doch etwas der Erinnerung Würdiges aus euerer Unterredung erhaschen könnten; daß ihr euch aber fast bis zum Kerne der Untersuchung über diese ganze Wissenschaft (oder soll ich sagen: Kunst oder Fertigkeit?) vertiefen würdet, das glaubten wir kaum wünschen zu dürfen. 97. Denn ich, der ich von Jugend an euch beiden von ganzem Herzen zugethan war, ja zum Crassus die innigste Liebe hegte, konnte, obwol ich nirgends von seiner Seite wich, ihm doch nie ein Wort über den kunstmäßigen Lehrgang der Beredsamkeit entlocken. so oft ich auch theils selbst ihm meinen Wunsch mitgetheilt, theils ihn durch den DrususUeber den Volkstribunen Marcus Livius Drusus s. zu Kap. 7. Note 86. angegangen hatte. In dieser Hinsicht hast du, Antonius, ich will die Wahrheit sagen, nie meine Erkundigungen oder Fragen unbefriedigt gelassen, und sehr oft belehrtest du mich über die Beobachtungen, die du beim Reden zu machen pflegtest. 98. Jetzt nun, da ihr beiden den Zugang gerade zu den Gegenständen, die wir zu wissen wünschen, eröffnet habt, und Crassus zu dieser Unterredung Veranlassung gegeben hat, erweist uns die Gefälligkeit euere Ansichten über die gesammte Beredsamkeit gründlich auseinanderzusetzen. Sind wir so glücklich dieses von euch zu erlangen, so werde ich, Crassus, dieser Schule und deinem Tusculanum von Herzen Dank wissen und dein Gymnasium hier in der Nähe der Stadt jener Akademie und jenem Lyceum bei Weitem vorziehen.

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