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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 28
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XVIII. 80. Hierauf sagte Antonius: Du überzeugst mich, Crassus, von der Wahrheit deiner Behauptungen, und ich zweifle nicht, daß derjenige im Reden weit reicher ausgestattet sein wird, der die Beschaffenheit und das Wesen aller Dinge und Wissenschaften umfaßt. 81. Aber erstens ist dieses schwer auszuführen. zumal bei unserer Lebensweise und unseren Beschäftigungen; und dann muß man besorgen, daß wir dadurch von unserer Redeübung und Redeweise, wie sie sich für das Volk und die Gerichte eignet, abgezogen werden. Denn einen anderen Vortrag scheinen mir die Männer zu haben, deren du kurz zuvor gedacht hast, so geschmackvoll und so gewichtig sie auch über das Wesen der Dinge und über menschliche Angelegenheiten reden mögen. Ihre Redeweise ist glänzend und blühend, aber sie paßt mehr für die Schule und die Schulübungen als für unseren gemischten Bürgerschwarm und die Gerichte. 82. Ich meinerseits habe mich freilich erst spät und nur oberflächlich mit der Griechischen Litteratur befaßt; aber da ich als Proconsul auf meiner Reise nach Cilicien nach Athen kam und daselbst wegen widriger Winde mehrere Tage verweilte, so hatte ich doch täglich die gelehrtesten Männer um mich, meistens dieselben, die du eben nanntest. Und da es, ich weiß nicht wie, unter ihnen ruchbar geworden war, daß ich wichtigere Rechtsverhandlungen, sowie du, zu führen pflegte; so versuchte jeder von ihnen, so gut er konnte, sich über die Pflicht und die Wissenschaft des Redners auszusprechen. 83. Einige von ihnen, sowie eben jener MnesarchusS. zu Kap. 11. Note 118., sagte, diejenigen, die wir Redner nennten, seien nichts Anderes als Handlanger mit geläufiger und geübter Zunge; ein wahrer Redner sei Niemand, wenn er nicht ein Weiser sei, und die Beredsamkeit selbst sei, weil sie in der Wissenschaft des guten Vortrages bestehe, eine Tugend, und wer Eine Tugend besitze, besitze alle, und diese seien unter einander völlig gleich; folglich wer beredt sei, der besitze alle Tugenden und sei ein Weiser. Doch diese Erörterung war spitzfindig und saftlos und widersprach zu sehr unserer Auffassungsweise. 84. Charmadas S. zu Kap. 11. Note 113. aber sprach weit reichhaltiger über dieselben Gegenstände, jedoch nicht, um seine eigene Ansicht auszusprechen; das ist ja die hergebrachte Weise der Akademie, in ihren Untersuchungen Allen nur immer das Widerspiel zu halten; aber doch deutete er ganz deutlich an, diejenigen, die man Redekünstler nenne und die die Regeln der Beredsamkeit lehrten, wüßten gar Nichts, und Niemand könne sich Geschicklichkeit im Reden aneignen, wenn er nicht die Erfindungen der Philosophen gelernt habe.

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