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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 27
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XVII. 74. Hierauf erwiderte Scävola lachend: Ich will nicht weiter mit dir streiten, Crassus. Deine Gegenrede selbst hast du ja mit einem gewissen Kunstgriffe zu Stande gebracht, indem du einerseits mir in dem, was ich dem Redner abgesprochen wissen wollte, beipflichtetest, andererseits eben dieses, Gott weiß wie, wieder umdrehtest und dem Redner als Eigentum zuertheiltest. 75. Als ich als Prätor nach Rhodus kam und jenem ausgezeichneten Lehrer euerer Wissenschaft, ApolloniusApollonius aus Alabanda in Karien, ein berühmter Lehrer der Beredsamkeit zu Rhodus, um 100 v. Chr., das, was ich von PanätiusPänatius aus Rhodus, ein berühmter Stoischer Philosoph (um 150 v. Chr.) dessen Schrift περὶ του̃ καθήκοντος (d. i. über die Pflicht) Cicero in den Büchern de Officiis zu Grunde gelegt hat. vernommen hatte, mittheilte; so verspottete er nach seiner Gewohnheit die Philosophie und setzte sie herab und sagte Vieles weniger mit würdevollem Ernste als auf witzige Weise. Dein Vortrag hingegen hatte nicht die Absicht irgend eine Kunst oder Wissenschaft herabzusetzen, sondern alle als Begleiterinnen und Gehülfinnen des Redners darzustellen. 76. Sollte nun ja ein einziger Mensch sie alle umfaßt und zugleich hiermit jene Geschicklichkeit einer wohl geschmückten Rede verbunden haben, so muß ich ihn für einen hervorragenden und bewunderungswürdigen Mann erklären; aber ein solcher würde, wenn es einen gäbe oder auch je gegeben hätte oder auch nur geben könnte, fürwahr kein Anderer sein als du. Du hast ja nach meinem und Aller Urtheile allen anderen Rednern – unsere jungen Freunde mögen mir dieses Geständniß nicht übel nehmen – kaum irgend einen Ruhm übrig gelassen. 77. Doch wenn es dir an keiner Kenntniß der gerichtlichen und bürgerlichen Angelegenheiten gebricht, und du doch die WissenschaftDie Kenntniß der Philosophie und anderer Wissenschaften, wie Crassus selbst zu wiederholten Malen von sich sagt. Auch im Brut. 43, 161 sagt Cicero von Crassus, daß ihm eine genauere Kenntniß in der Philosophie, im bürgerlichen Rechte und in der Geschichte gefehlt hat. nicht umfaßt hast, die du dem Redner beigesellst; so laß uns sehen, ob du ihm nicht mehr zutheilest, als es die Sache und Wirklichkeit zuläßt. 78. Da sagte Crassus: Bedenke doch, daß ich nicht über meine, sondern des Redners Geschicklichkeit gesprochen habe. Denn was habe ich gelernt, oder was konnte ich wissen, der ich eher zum Handeln als zum Lernen kam, den auf dem Forum, in der Bewerbung um obrigkeitliche Aemter, in Staatsgeschäften, in Rechtshändeln meiner Freunde die Sache selbst eher aufgerieben hat, als ich eine Ahnung von der Wichtigkeit dieser Sachen haben konnte? 79. Wenn ich dir nun auch so schon Großes zu leisten scheine, dem es, wenn auch nicht gerade an Anlagen, wie du meinst, doch sicherlich an Gelehrsamkeit und an Muße und wahrlich auch an jener feurigen Lernbegierde gemangelt hat: was meinst du, wenn zu Jemandes besseren Anlagen auch noch die Wissenschaften, die ich nicht berührt habe, hinzukämen, wie herrlich und wie groß würde ein solcher Redner sein?

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