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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 26
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XVI. Denn wenn, wie es unter den Gelehrten bekannt ist, ein in der Sternkunde unerfahrener Mann, AratusAratus aus Soli in Cilicien (um 250 v. Chr.) lebte eine Zeit lang bei Gonatas, dem Könige von Macedonien, auf dessen Aufforderung er die Φαινόμενα des Astronomen Eudoxus (um 350 v. Chr.) in Verse brachte und unter der Aufschrift Φαινόμενα καὶ Διοσημει̃α herausgab. Cicero übersetzte diesem Gedicht in lateinische Verse., den Himmel und die Gestirne in den schönsten und herrlichsten Versen besungen; wenn ein Mann, der sehr fern vom Lande lebte, NikanderNikander aus Kolophon in Ionien war Arzt, Grammatiker und Dichter. Er lebte unter Attalus II., König von Pergamus, um 150 v. Chr. Sein Gedicht vom Landbaue ist verloren gegangen. Erhalten von ihm sind zwei Lehrgedichte: Θηριακά und Αλεξιφάρμακα. aus Kolophon, über die Landwirtschaft vermöge dichterischer Befähigung, nicht aber wegen seiner Kenntniß im Landbaue, vortrefflich geschrieben hat: warum sollte nicht der Redner über solche Gegenstände sehr beredt reden, die er für eine gewisse Sache und Zeit erlernt hat? 70. Dem Redner ist ja der Dichter nahe verwandt, durch das Versmaß ein Wenig mehr gebunden, in dem Gebrauche der Worte hingegen freier, in vielen Arten des Schmuckes aber Teilnehmer und fast gleich, darin wenigstens ohne Zweifel ihm beinahe gleich, daß er sein Gebiet durch keine Schranken so umgrenzt und einschließt, daß es ihm nicht frei stehen sollte sich mit der nämlichen Gewandtheit und Fülle des Ausdruckes zu ergehen, wo er Lust hat. 71. Ich muß nämlich hier auf deine frühere Aeußerung. Scävola, zurückkommen. Warum sagtest du, du würdest, wenn du dich nicht auf meinem Gebiete befändest, meine Behauptung nicht ertragen haben, daß der Redner in jeder Art des Vortrages, in jedem Zweige menschlicher Bildung vollkommen sein müsse? Niemals fürwahr würde ich eine solche Behauptung ausgesprochen haben, wenn ich mich selbst für das Vorbild, das ich aufstellte, hielte. 72. Aber was Gajus LuciliusLucilius aus Suessa Aurunca in Campanien, ein Römischer Ritter, diente unter Scipio Africanus in dem Numantinischen Kriege (133 v. Chr.) und starb zu Neapel in einem Alter von 46 Jahren. Er schrieb Satiren, Epoden, Hymnen und eine Komödie. Besonders ist er als der Erfinder der Satire berühmt. Von seinen Schriften sind nur sehr wenige Bruchstücke noch übrig. oft zu sagen pflege, der dir ein Wenig grollte und gerade deßhalb mir weniger, als er es wünschte, befreundet war, aber doch ein gelehrter und sehr sein gebildeter Mann war, dasselbe ist auch mein Urtheil, daß nämlich Niemand unter die Zahl der Redner gerechnet werden dürfe, der nicht in allen, eines freien Mannes würdigen, Wissenschaften ausgebildet sei. Denn wenn wir von ihnen selbst auch beim Reden keinen Gebrauch machen, so ist es doch sichtbar und stellt sich heraus, ob wir derselben unkundig sind oder sie gelernt haben. 73. Sowie zum Beispiel die Ballspieler beim Spiele selbst die der Ringschule eigentümliche Kunst nicht anwenden, aber schon ihre Bewegung anzeigt, ob sie die Ringkunst erlernt haben oder nicht kennen, und sowie die Bildhauer, wenn sie auch für den Augenblick von der Malerei gar keinen Gebrauch machen, doch nicht undeutlich zu erkennen geben, ob sie zu malen verstehen oder nicht: so offenbart es sich bei unseren Reden vor Gericht, in den Volksversammlungen und im Senate, auch wenn in ihnen andre Wissenschaften nicht ausdrücklich zur Anwendung kommen, doch leicht, ob der Redner sich nur in den gewöhnlichen Redeübungen herumgetummelt hat, oder ob er mit allen edelen Wissenschaften ausgerüstet als Redner auftritt.

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