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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 24
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XIV. Allerdings liegt oft in den Sachen, die nach dem Geständnisse Aller den Rednern eigentümlich angehören, Etwas, was nicht aus der gerichtlichen Erfahrung, die ihr den Rednern allein einräumt, sondern aus einer tieferen Wissenschaft geschöpft und entlehnt werden muß. 60. Denn ich frage, ob man wol entweder gegen einen Feldherrn oder für einen Feldherrn reden könne ohne Erfahrung im Kriegswesen, oft auch ohne Kenntniß der Gegenden zu Wasser und zu Land, ob vor dem Volke über Genehmigung oder Verwerfung von Gesetzvorschlägen ohne die tiefste Einsicht und Kenntniß der bürgerlichen Angelegenheiten, ob die Rede zur Entflammung oder auch Dämpfung der Empfindungen und Bewegungen des Gemüthes – und das ist ja das eigentliche Gebiet des Redners – zur Anwendung gebracht werden könne ohne die sorgfältigste Erforschung aller Lehrsätze, welche die Philosophen über die Gemüthsarten und Sitten des Menschengeschlecht entwickeln. 61. Und vielleicht dürfte ich euch hiervon nicht ganz überzeugen, doch ich will keinen Anstand nehmen meine Ansicht mitzutheilen. Die Physik und Mathematik selbst, sowie das, was du kurz zuvor als das Eigentum anderer Wissenschaften aufstelltest, gehört der Kenntniß derer an, die sie zu ihrem Berufsgeschäfte machen; will aber Jemand eben diese Wissenschaften durch den Vortrag beleuchten, so muß er zu der Geschicklichkeit des Redners seine Zuflucht nehmen. 62. Denn wenn bekanntlich jener Baumeister PhiloPhilo lebte in Athen zur Zeit des Demetrius Phalereus um 300 v. Chr., der den Athenern ein Zeughaus baute, dem Volke auf sehr beredte Weise von seinem Werke Rechenschaft ablegte; so darf man nicht glauben, er sei durch die Kunst des Baumeisters vielmehr, als durch die des Redners beredt gewesen. Und wenn unser Marcus Antonius für den HermodorusNicht weiter bekannt. über den Bau von Schiffswerften hätte reden müssen, so würde er, sobald er von diesem über die Sache belehrt worden wäre, einen geschmückten und reichhaltigen Vortrag über eine fremde Kunst gehalten haben. Und ferner wenn AsklepiadesAus Brusa in Bithynien; er lebte zur Zeit des Crassus in Rom., der mein Arzt und Freund war, alle anderen Aerzte an Beredsamkeit übertraf; so machte er gerade darin, daß er so geschmackvoll redete, nicht von seiner Arzeneikunde Gebrauch, wohl aber von der Beredsamkeit. 63. Und das hat einen ziemlichen Schein von Wahrheit, ist jedoch nicht wahr, was SokratesS. Xenoph. Commentar. IV. 6, 1. zu sagen pflegte, Alle seien in dem, was sie wissen, hinlänglich beredt; wahrer ist das: Niemand kann in dem beredt sein, was er nicht weiß; aber wenn er es auch noch so gut weiß und nicht versteht die Rede zu bilden und zu glätten, so kann er selbst das, wovon er Kenntniß hat, nicht beredt vortragen.

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