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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 222
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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LX. 224. Für den Gebrauch und das Lob des äußeren Vortrages aber ist ohne Zweifel die Stimme von der größten Wichtigkeit. Daß uns eine gute Stimme zu Theil werde, muß zuerst unser Wunsch sein; dann aber müssen wir für sie, wie sie auch beschaffen sein mag, Sorge tragen. Die Mittel anzugeben, wodurch man für die Bildung der Stimme sorgen könne, ist hier nicht der Ort, obwol nach meiner Ansicht dieß durchaus geschehen muß; aber die Bemerkung, die ich kurz zuvorS. Kap. 45 und 52. äußerte, scheint mir der Bestimmung unseres Gespräches nicht zuwiderlaufen, daß nämlich in den meisten Fällen das Nützlichste (ich kann nicht sagen, wie das zugeht) auch das Geziemendste ist. Denn für Erhaltung der Stimme ist Nichts nützlicher als häufige Veränderung, Nichts verderblicher als eine unmäßige ununterbrochene Anstrengung. 225. Wie? Was ist für unsere Ohren und für die Anmuth des Vortrages passender als Anmuth, Mannigfaltigkeit und Veränderung? Aus diesem Grunde hatte der obenS. Kap. 56. erwähnte Gracchus, wie du, Catulus, von deinem Schutzbefohlenen Licinius, einem wissenschaftlich gebildeten Manne, der damals als Sklave sein Schreiber war, hören kannst, gewöhnlich, so oft er eine Rede vor dem Volke hielt, einen kunstverständigen Mann mit einer elfenbeinernen Flöte im Verborgenen hinter sich stehen, der ihm schnell den Ton anblasen mußte, durch welchen er ihn, wenn er zu schlaff redete, anregte oder, wenn er in zu große Heftigkeit gerieth, zurückrief. – Ja wahrlich, ich habe davon gehört, erwiderte Catulus, und oft des Mannes Sorgsamkeit sowol als Gelehrsamkeit und Wissenschaft bewundert. – 226. Auch ich, fuhr Crassus fort, und ich bedauere nur, daß solche Männer sich in solche Vergehen gegen den Staat verirren konnten. Freilich wird jetzt in unserem Staate ein solches Gewebe angezettelt und eine solche Lebensweise rasch in Bewegung gesetzt und der Nachwelt vorgehaltenCicero deutet auf die Volksunruhen des Drusus hin. S. I, 7. und III. 1., daß wir schon solche Bürger zu haben wünschen, wie sie unsere Väter nicht geduldet haben. – Laß dieß Gespräch ruhen, ich bitte dich, Crassus, erwiderte Julius, und kehre zu des Gracchus' Pfeife zurück, deren Beschaffenheit ich noch nicht recht begreifen kann.

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