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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 218
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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LVI. 213. Doch dieß Alles thut seine Wirkung in der Weise, wie der äußere Vortrag beschaffen ist. Der äußere Vortrag, sage ich, hat in der Beredsamkeit die größte Macht. Ohne ihn kann der größte Redner in keinen Betracht kommen; mit ihm ausgerüstet der mittelmäßige oft über die größten siegen. Ihm soll Demosthenes, als er gefragt wurde, was das erste in der Beredsamkeit sei, die erste Rolle zuerkannt haben, ihm die zweite, ihm die dritte. Um so vortrefflicher pflegt mir auch jene Aeußerung des Aeschines zu erscheinen. Als sich dieser nämlich wegen eines ihn beschimpfenden Richterspruchs aus Athen entfernt und nach Rhodus begeben hatte, las er, wie man erzählt, den Rhodiern auf ihre Bitten jene herrliche Rede vor, die er gegen KtesiphonKtesiphon, ein Bürger von Athen, hatte seinen Mitbürgern den Vorschlag gemacht den Demosthenes wegen seiner großen Verdienste um den Staat mit einem goldenen Kranze zu beschenken. Aeschines verklagte den Ktesiphon wegen dieses Vorschlages als einen aufrührischen Bürger. Demosthenes vertheidigte den Ktesiphon in der berühmten Rede »für den Kranz«. Ktesiphon wurde freigesprochen, und Aeschines begab sich aus Verdruß über diese Entscheidung nach Rhodus. als Widersacher des Demosthenes gehalten hatte. Nach beendigter Vorlesung baten sie ihn am folgenden Tage, er möchte ihnen auch die dagegen von Demosthenes für den Ktesiphon herausgegebene Rede vorlesen. Als er diese mit der lieblichsten und lautesten Stimme vorgelesen hatte, und Alle sie bewunderten, rief er aus: »Um wie viel mehr würdet ihr ihn bewundert haben, wenn ihr ihn selbst gehört hättet!« Hierdurch hat er hinlänglich zu verstehen gegeben, was für einen großen Werth der äußere Vortrag habe, da er meinte, dieselbe Rede würde eine andere sein, wenn sie von einem Anderen vorgetragen würde. 214. Was war es an GracchusGajus Gracchus. Die Worte sind wahrscheinlich aus der Rede genommen, die Gajus Gracchus gehalten hat, als der Consul Lucius Opimius die Partei der Senatoren zu den Waffen gerufen hatte., dessen du dich, Catulus, besser erinnerst, was in meinem Knabenalter so außerordentlich gepriesen wurde? »Wohin soll ich Unglücklicher mich begeben? wohin soll ich mich wenden? auf das Capitolium? Aber ach! da fließt noch das Blut des BrudersTiberius Gracchus war zwölf Jahre vorher auf dem Kapitole ermordet worden.. Oder nach Hause? Etwa um die unglückliche Mutter wehklagend und trostlos zu sehen?« Diese Worte trug er bekanntlich mit solchen Blicken, mit solcher Stimme und solchen Gebärden vor, daß seine Feinde sich der Thränen nicht erwehren konnten. Ich rede hierüber deshalb ausführlicher, weil diese ganze Kunst von den Rednern, die doch Darsteller des wirklichen Lebens sind, aufgegeben und von den Nachahmern des wirklichen Lebens, den Schauspielern, in Besitz genommen ist.

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