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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 214
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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LII. 199. So habe ich denn auch nach Kräften das etwa auseinandergesetzt, was nach meiner Ansicht am Meisten zum Schmucke der Rede beiträgt; denn ich habe von den lobenswerthen Eigenschaften der einzelnen Worte, von ihrer Verbindung, von ihren Rhythmen und Tonverhältnissen gesprochen. Fragt ihr aber auch nach der äußeren Gestalt und der Farbe der Rede, so ist sie theils voll, aber doch schlank, theils schmächtig, aber nicht ohne Nerven und Kräfte, theils eine solche, deren Vorzug darin besteht, daß sie aus beiden gemischt zwischen beiden die Mitte hält. Auf diesen drei Redeformen muß eine nicht wie Schminke aufgetragene, sondern durch das Blut verbreitete Farbe anmuthiger Schönheit ruhen. 200. Kurz In den Handschriften steht: Tum denique; aber dieß gibt keinen Sinn; ich lese daher Denique ohne tum; auch Ellendt hält tum für unächt., wir müssen unseren Redner hinsichtlich der Worte sowol als der Gedanken so bilden, daß sowie die Fechter oder Ringer nicht bloß Streiche zu meiden oder zu versetzen bedacht sind, sondern auch darauf, daß sie Wohlanständigkeit in ihren Bewegungen zeigen, so auch er die Worte zu einem wohl gegliederten und schönen Redebau, die Gedanken aber zu erhabener Würde der Rede gebrauche. 201. Die Worte und die Gedanken lassen sich aber auf fast unzählige Weise bearbeiten; aber zwischen der Form der Worte und Gedanken findet der Unterschied statt, daß die der Worte verloren geht, wenn man die Worte verändert, die der Gedanken hingegen bleibt, welcher Worte man sich auch bedienen mag. Und obwol ihr es schon ohnehin thut, so glaube ich doch euch auch noch daran erinnern zu müssen, daß ihr in Betreff der einzelnen Worte den Vorzug und die Bewunderung des Redners lediglich in der Kenntniß der oben erwähnten drei Dinge finden möget, nämlich daß wir häufig übertragene, zuweilen auch neugebildete. selben aber sehr alte Ausdrücke gebrauchen; was aber die zusammenhängende Rede betrifft, so müssen wir zuerst auf eine sanfte Verbindung und auf das von mir erwähnte rhythmische Verhältniß achten, alsdann aber durch den häufigen Gebrauch der Redefiguren den ganzen Vortrag gleichsam mit Lichtpunkten der Gedanken und Worte ausschmücken und beleben.

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