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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 213
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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LI. 197. Es ist wunderbar, wie gering zwischen dem Gebildeten und dem Unwissenden der Unterschied im Urtheilen ist, da er doch im Schaffen so sehr groß ist. Aber wahrlich die Kunst würde, da sie von der Natur ausgegangen ist, wol schwerlich irgend Etwas ausgerichtet haben, wenn sie nicht wieder auf die Natur einwirkte und sie ergötzte. Nichts aber ist unserem Geiste so nah verwandt als die Rhythmen und die Töne, durch die wir bald erregt bald angefeuert bald besänftigt bald entkräftet bald zur Heiterkeit bald zur Trauer oft gestimmt werden. Aber ihre höchste Kraft zeigt sich noch wirksamer in der Dichtung und im Gesange: was, wie es mir scheint, dem hochgebildeten Könige Numa und unseren Altvorderen nicht entging, wie das Saiten- und Flötenspiel bei den feierlichen Gastmählern und die Verse der SalierDie Salier waren Priester des Mars, ursprünglich zwölf, von Numa eingesetzt, denen noch zwölf von Tullius Hostilius hinzugefügt wurden. Am 1. März holten sie die zwölf heiligen Schilde (ancilia) aus dem Tempel und hielten unter Absingung von Liedern und unter Waffentänzen einen feierlichen Umzug zu Ehren des Mars. Die Sprache ihrer Gesänge wurde schon zu Cicero's Zeit nicht mehr genau verstanden. beweisen; am Meisten aber wurde diese Kunst von dem alten Griechenland gepflegt. 198. Ach, hättet ihr doch lieber über diese und ähnliche Gegenstände einen Vortrag von mir gewünscht als über diese schülerhaften Wortübertragungen.Die Worte: Quibus utinam similibusque de rebus disputari quam de puerilibus his verborum translat, maluissetis! halten Schütz, Müller und Ellendt für unächt. Doch sowie beim Verse die große Menge es einsieht, wenn ein Versehen gemacht wird; ebenso bemerkt sie es, wenn in unserer Rede etwas hinkt; aber dem Dichter verzeiht sie nicht, gegen uns ist sie nachsichtiger; im Stillen jedoch erkennen Alle, daß das, was wir gesagt haben, nicht passend und vollkommen ist. Daher pflegten jene Alten, wie wir noch heutzutage Manche thun sehen, da sie einen Rundsatz, gleichsam einen Wortkreis, noch nicht bilden konnten, – dazu haben wir ja erst neuerdings das Geschick oder den Muth erlangt – drei oder zwei, zuweilen auch nur Ein Satzglied zu setzen; aber ungeachtet ihrer natürlichen Unmündigkeit wußten sie doch das, was das Ohr der Menschen verlangt, nämlich daß die Satzglieder gleich abgemessen und durch gleich lange Ruhepunkte unterschieden wären.

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