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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 211
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XLIX. 187. Das sind nun die Lehren der Philosophen, die du, mein Catulus, so hoch schätzest; was ich um so öfter bezeuge, um durch Anführung meiner Gewährsmänner den Vorwurf abzulehnen, den man mir wegen dieser kleinlichen Schulweisheit machen könnte. – Was willst du damit sagen? entgegnete Catulus. Kann wol etwas Geschmackvolleres vorgetragen oder überhaupt Scharfsinnigeres gesagt werden, als was du uns erörtert hast? – 188. Freilich muß ich befürchten, erwiderte Crassus, daß entweder diese Dinge unseren jungen Zuhörern zu schwierig in der Ausübung erscheinen, oder weil sie in den gewöhnlichen Anweisungen nicht gelehrt werden, sie glauben möchten, ich stelle sie absichtlich zu wichtig und schwierig vor. – Hierauf sagte Catulus: Du irrst dich, mein Crassus, wenn du meinst, ich oder einer der Anwesenden erwarte von dir diese alltäglichen und ganz gewöhnlichen Leistungen. Das, was du vorträgst, wünschen wir von dir zu hören, und zwar gerade auf diese Weise vorgetragen; dieß kann ich dir nicht für mich allein, sondern für alle Anwesenden unbedenklich versichern. – 189. Ja wahrlich, sagte Antonius, endlich habe ich den Redner gefunden, den ich in meiner kleinen SchriftS. Buch I, Kap. 21 zu Anfang. noch nicht gefunden zu haben behauptet hatte; aber absichtlich wollte ich dich mit meinem Lobe nicht unterbrechen, um die so kurze Zeit deines Vortrages auch nicht durch ein einziges Wort zu verkürzen. – 190. Nach diesen Regeln also, fuhr Crassus fort, müßt ihr durch Uebung theils im Reden theils im Schreiben, welches letztere eueren Vortrag sowol in anderen Beziehungen als ganz vorzüglich in dieser zu schmücken und zu feilen geeignet ist, eure Rede bilden. Nicht jedoch erfordert dieß so viel Arbeit, als es den Schein hat; auch ist es nicht nöthig hierbei die scharfe Richtschnur der Rhythmiker und Musiker anzulegen, sondern ihr müßt nur darnach streben, daß die Rede nicht auseinander fließe, nicht unstät umherschweife, nicht in zu kleinen Absätzen inne halte und nicht zu weit ausschreite, daß sie wohlgegliedert sei und in sich vollendete schön abgerundete Perioden habe. Aber nicht immer darf sich die Rede in einem ununterbrochenen Kreislaufe von Perioden bewegen, sondern oft muß sie mit kurzen Sätzen abwechseln, die jedoch gleichfalls an Rhythmen gebunden sein müssen. 191. Auch braucht ihr nicht wegen des Päon oder des heroischen Rhythmus, von denen ich sprach, besorgt zu sein. Von selbst finden sie sich in der Rede ein, von selbst, sage ich, bieten sie sich dar und stellen sich ungerufen ein, nur mag man sich so zu schreiben und zu reden gewöhnen, daß die Gedanken mit den Worten geschlossen werden, und daß die Periode mit langen und freien Rhythmen, vorzüglich dem heroischen oder dem ersten Päon oder dem Creticus, anhebe, aber am Schlusse sich mit mannigfaltiger Abwechslung senke; denn am Meisten wird die Aehnlichkeit am Schlusse bemerkt, wo die Stimme einen Ruhepunkt macht. Und wenn die ersten und letzten Füße auf diese Weise beobachtet sind, so können die mittleren sich verborgen halten, nur mag der Rundsatz selbst weder kürzer sein, als das Ohr erwartet, noch länger, als die Länge und der Athem es zuläßt.

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