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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 209
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XLVII. 182. Der längste Redesatz ist nun der, welcher sich in Einem Athemzuge abrollen läßt; aber dieß ist das Maß der Natur, ein anderes setzt die Kunst. Was nun die Versfüße in der Rede betrifft, deren es mehrere gibt, so verbietet euer Aristoteles, mein Catulus, den zu häufigen Gebrauch des Iambus und Trochäus, die sich doch natürlicher Weise ganz von selbst in unseren Reden und Gesprächen einmischen; aber die Taktschläge dieser Verbüße sind zu auffallend und die Füße zu klein. Darum empfiehlt er uns vor Allem den heroischen VersfußIm Texte steht: Quare primum ad heroum nos dactyli et anapaesti et spondei pedem invitat. Die Worte dactyli et anap. et sp. sind höchst wahrscheinlich unächt, da Aristoteles (Rhet. III. 8. vgl. Cicer. Or. 57.) nur den Iambus, den Trochäus, Herous (d. h. Daktylus, –́ ˘ ˘, statt dessen auch der Spondeus –́ – stehen kann) und den Päon erwähnt. S. Ellendt zu dieser Stelle., den man jedoch ohne Tadel nur zweimal oder etwas mehr auf einander folgen lassen darf; sonst würde man ganz in einen Vers oder etwas Versähnliches hineingerathen, zum Beispiel: »Zwei Altäre erhoben sichIm Texte stehen die Worte: Altae sunt geminae quibus hi tres heroi pedes u. s. w. Diese Worte geben keinen Sinn. Ich halte mit Madvig die Worte: altae (wofür ich nach Ellendt's Muthmaßung arae lese) sunt geminae quibus für eine aus einem Redner oder Geschichtschreiber entlehnte Stelle..« Solche drei heroische Füße bilden im Anfange eines Redesatzes einen recht schönen Tonfall. 183. Am Meisten aber billigt derselbe AristotelesAristoteles Rhetor. III. 8, 5. den Päon, der doppelt ist; denn entweder hebt er mit einer langen Silbe an, auf welche drei kurze folgen, als: herrlichere, artigere, stärkendere, oder mit drei kurzen, auf welche eine gedehnte oder lange folgt, als: Gĕŏmĕtrīe, PhĭlŏsŏphīeStatt der lateinischen Beispiele: desinite, incipite, comprimite (˘ ˘ ˘) und dann: domuerant, sonipedes (˘ ˘ ˘) habe ich in der Uebersetzung andere nehmen müssen.. Und nach der Ansicht dieses Philosophen soll man mit dem ersten Päon anfangen, mit dem letzteren schließen. Es ist aber dieser letztere Päon zwar nicht an Zahl der Silben, aber nach dem Maße des Gehöres, dessen Urtheil schärfer und sicherer ist, dem Kretikus fast gleich, der aus einer langen, kurzen und langen Silbe besteht, als:

Welchen Schutz such' ich jetzt – Was zu thun? Jetzt wohin?Aus des Ennius' Andromache.

Mit diesem Versfuße begann FanniusGajus Fannius Strabo, der als Consul im Jahre 121 v. Chr. gegen Gajus Gracchus, der ein Gesetz wegen Ertheilung des Bürgerrechtes an die Bewohner Italiens vorgeschlagen hatte. auftrat.: »Bürger Roms, uns bedrohn.« Diesen Fuß hält Aristoteles geeigneter für den Schluß des Redesatzes, der nach seiner Meinung gemeiniglich auf eine lange Silbe ausgehen soll.

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