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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 207
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XLV. Wie werden wir nun ein so wichtiges Geschäft angreifen müssen, daß wir glauben dürfen uns die Geschicklichkeit anzueignen in unserer Rede bestimmte Tonverhältnisse zu beobachten? Die Sache ist weniger schwierig als nothwendig; denn Nichts ist so zart, so biegsam und jeder Leitung folgsam als die Sprache. 177. Aus ihr lassen sich Verse bilden, aus ihr die ungleichen ZeitmaßeWie dieß der Fall in den Reden ist., aus ihr auch unsere jetzige Redeweise, die sich frei in mannigfaltigen Weisen bewegt und aus vielen Arten besteht. Denn nicht gibt es andere Worte für die Sprache des Umganges, andere für die Sprache der Leidenschaft, und nicht aus einer anderen Quelle schöpf man die Worte für den täglichen Gebrauch, aus einer anderen für die Bühne und das Gepränge; sondern wie ein Gemeingut liegen sie vor uns ausgebreitet, und hieraus nehmen wir sie und bilden und gestalten sie wie das weichste Wachs nach unserem Belieben. Sowie wir nun bald einen erhabenen bald einen niedrigen bald einen mittleren Gegenstand behandeln, so richtet sich die Redeweise nach dem Gedanken, den wir gefaßt haben, und verändert und verwandelt sich auf jede Weise, wie es das Vergnügen der Ohren und die Stimmung der Gemüter erheischt. 178. Aber sowie in den meisten Dingen, so hat auch in der Rede die Natur selbst die bewunderungswürdige Einrichtung getroffen, daß die Dinge, die den größten Nutzen in sich schließen, zugleich auch die meiste Würde, ja oft auch die meiste Anmuth haben. Zur allgemeinen Erhaltung und Wohlfahrt, sehen wir, ist das Weltall und die Natur so eingerichtet, daß der Himmel rund ist, daß die Erde in der Mitte schwebt und durch ihre eigene Schwerkraft gehalten wird, daß die Sonne sich herumschwingt, in das Sternbild des Steinbockes tritt und von da wieder allmählich nach der entgegengesetzten Seite aufsteigt, daß der Mond durch seine Annäherung und Entfernung das Licht der Sonne empfängt, daß die fünf PlanetenMars, Venus, Mercurius, Jupiter und Saturnus. Mehr Planeten waren damals noch nicht entdeckt, die Erde galt nicht für einen Planeten. in ungleicher Bewegung und ungleichem Umlaufe dieselben Bahnen vollenden. 179. Diese Anordnung ist von solcher Wichtigkeit, daß das Ganze bei der kleinsten Veränderung nicht mehr zusammenhängen könnte, und von solcher Schönheit, daß sich ein schönerer Anblick nicht einmal denken läßt. Richtet jetzt euere Gedanken auf die Gestalt und Bildung der Menschen oder auch der übrigen Geschöpfe, und ihr werdet finden, daß kein Theil des Körpers ihnen ohne Noth gegeben, und daß die ganze Gestalt auf künstliche Weise und nicht durch Zufall vollendet ist.

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