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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 203
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XLI. 163. Zweitens muß man darauf sehen, daß die Aehnlichkeit nicht zu weit hergeholt sei. Statt Syrte des väterlichen Vermögens möchte ich lieber sagen Klippe desselben, statt Charybdis der Güter lieber Schlund derselben; denn das Auge des Geistes richtet sich leichter auf Gesehenes als auf Gehörtes. Und weil bei der Uebertragung der Worte vielleicht der größte Vorzug darin besteht, daß das übertragene Wort auf die Sinne einwirkt; so muß man alles Unanständige in den Dingen vermeiden, wohin die Aehnlichkeit die Gemüther der Zuhörer hinziehen kann. 164. So will ich nicht, daß man sage, der Staat sei durch des Africanus Tod entmannt worden, nicht, daß GlauciaS. zu II. 61, 249, Anm. 464. der Auswurf der Kurie genannt werde; so groß auch die Aehnlichkeit sein mag, so erregt sie doch in beiden Fällen eine widrige Vorstellung. Ich will nicht, daß der übertragene Ausdruck entweder stärker sei, als es die Sache verlangt, wie: Der Sturm des Krawalles, oder schwächer, wie: Der Krawall des SturmesDas Erstere: Tempestas comissationis, das Ungewitter eines nächtlichen Schmauses; das Letztere: comissatio tempestatis, der nächtliche, wilde Schmaus des Ungewitters.. Ich will nicht, daß das übertragene Wort einen engeren Begriff habe, als das eigentliche und natürliche gehabt haben würde:

Was gibt's? sag' an, mein Freund, was winkst du ab mein Nah'n?Diese und die folgenden Verse sind aus Ennius' Thyestes entlehnt. Cicero tadelt den Ausdruck abnutas als zu schwach im Verhältniß zu den Worten des Anderen.

Besser wäre: verbietest du, wehrst du ab, schreckst du zurück, weil der Andere gesagt hatte:

                                  Schnell fort von mir weg!
Daß nicht meine Näh', nicht mein Schatten schade.

165. Auch muß man, wenn man befürchtet, die Uebertragung möchte zu hart erscheinen, sie oft durch ein vorgesetztes Wort mildern. Zum Beispiel, wenn einst bei dem Tode des Marcus Cato Einer gesagt hätte: der Senat sei als eine Waise hinterlassen worden; so würde dies etwas hart sein; aber ungleich milder: so zu sagen, eine Waise. Denn die Uebertragung muß mit Bescheidenheit auftreten, so daß sie an den fremden Ort eingeführt, nicht eingedrungen, bittweise, nicht gewaltsam gekommen zu sein scheint. 166. Uebrigens gibt es. was die einzelnen Worte anlangt, keine Ausdrucksweise, welche der Rede ein frischeres Ansehen und mehr Lichtglanz verleihen könnte. Denn die andere ArtDie Allegorie oder sinnbildliche Darstellung in Worten., die aus dieser Uebertragung (Metapher) hervorgeht, beruht nicht auf einem übertragenen Worte, sondern auf der Verknüpfung mehrerer aneinander gereihter Worte, indem etwas Anderes gesagt wird, als man verstanden wissen will, zum Beispiel:

              Nicht duld' ich's, daß zum zweiten Mal
An Einen Fels und Speer anlaufe der Achaier Flott'Der Sinn dieser Allegorie: Nicht will ich mich zweimal derselben Gefahr aussetzen..

Und Folgendes:

Traun du irrst – dein Selbstvertrauen wird der Gesetze starker Zaun
Zügeln, und den stolzen Nacken beugen strenger Herrschaft JochDie Allegorie ist entlehnt von einem erst unbändigen, dann aber gebändigten Rosse..

167. Man nimmt hierbei eine ähnliche Sache, und die dieser Sache eigentümlichen Worte überträgt man dann, wie ich bemerkte, auf eine andere Sache.

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