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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 198
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXXVI. 144. Hierauf sagte Cotta: Ich meinerseits kann mich nicht beklagen, Crassus, daß du mir etwas Anderes und nicht das, was du übernommen hast, abgehandelt zu haben scheinst; denn du hast ungleich Mehr gegeben, als dir von uns zuertheilt und übertragen war; indeß war es doch deine Rolle von der Ausschmückung der Rede zu sprechen, und du hattest ja auch schon den Weg dahin eingeschlagen, indem du das ganze Lob der Rede in vier Klassen brachtestS. oben Buch III. Kap. 10., und nachdem du von den beiden ersten für uns zwar zur Genüge, wie du aber selbst sagtest, nur flüchtig und spärlich geredet hattest, noch die beiden letzten dir übrig ließest, nämlich erstens wie man schön, und zweitens, wie man angemessen reden müsse. 145. Als du nun schon den Weg dahin eingeschlagen hattest, führte dich plötzlich der Drang deines Geistes gleichsam fern vom Lande weg auf das hohe Meer und entrückte dich den Augen fast Aller. Denn die Gesammtheit alles Wissens umfassend, hast du uns zwar dieses nicht gelehrt, und es war ja auch in so kurzer Zeit nicht möglich; aber wenn ich auch nicht weiß, was du bei unseren anwesenden Freunden ausgerichtet hast, so muß ich doch von mir bekennen, daß du mich ganz und gar der Akademie zugewendet hast. Ich wünschte zwar, daß, wie du oft geäußert hast, es nicht nöthig wäre derselben seine Lebenszeit zu widmen, und daß man schon Alles begriffe, wenn man nur seinen Blick darauf gerichtet hätte; aber wenn auch die Sache recht viel Arbeit erfordert, oder wenn ich einen etwas langsamen Kopf habe, so will ich doch fürwahr nicht ruhen noch müde werden, bis ich ihnen ihre Mittel und Wege abgelernt habe auf zwiefache Weise sowol für Alles als gegen Alles zu reden. 146. Hierauf sagte Cäsar: Eines hat auf mich in deinem Vortrage, Crassus, besonders Eindruck gemacht, ich meine die Behauptung, daß wer nicht schnell Etwas lerne, der könne es überhaupt nicht gründlich erlernen. Daher dürfte es mir nicht schwer fallen einen Versuch zu machen, und entweder werde ich jene von dir bis in den Himmel erhobene Wissenschaft sogleich begreifen oder, vermag ich das nicht, die Zeit nicht damit verderben, da ich mich doch mit dem begnügen kann, was mir die Unsrigen bieten. – 147. Da sagte Sulpicius: Wahrlich, Crassus, ich vermisse weder deinen Aristoteles noch den Karneades noch sonst einen Philosophen, magst du auch von mir denken, daß ich mir nicht getraue diese Wissenschaften gründlich erlernen zu können, oder daß ich sie verachte, wie ich auch wirklich thue. Mir ist unsere gewöhnliche Kenntniß der gerichtlichen und öffentlichen Verhandlungen groß genug für die Beredsamkeit, die ich im Auge habe, und selbst hiervon ist mir sehr Vieles unbekannt, was ich dann erst aufsuche, wenn es eine Sache, die ich verhandeln soll, verlangt. Darum wenn du nicht etwa schon ermüdet bist, und wir dir nicht lästig fallen; so kehre zur Erörterung dessen zurück, was zu einem schönen und geschmückten Vortrage gehört. Dieses wünschte ich von dir zu hören, nicht um die Hoffnung aufzugeben mir Beredsamkeit aneignen zu können, sondern um noch Etwas zu erlernen.

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