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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 192
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXX. 118. Die Streitfragen aber, die sich auf das Handeln beziehen, beschäftigen sich entweder mit der Erörterung einer Pflicht, wobei gefragt wird, was recht ist und geschehen soll, und dieser Abtheilung ist der ganze Stoff der Tugenden und Laster untergeordnet; oder mit Erzeugung oder Dämpfung und Aufhebung einer Leidenschaft; dieser Abtheilung sind die Ermahnungen, Verweise, Tröstungen, das Bemitleiden und überhaupt Alles, was zur Aufregung und nach Umständen zur Besänftigung der Leidenschaften dient. Bei dieser Entwickelung der Gattungen und Arten sämmtlicher Streitfragen ist es für die Sache nicht eben von Belang, wenn meine Eintheilung von der des Antonius in irgend einem Punkte abweicht. 119. Denn in beiden Auseinandersetzungen finden sich die nämlichen Glieder; nur habe ich sie etwas anders eingetheilt und angeordnet als er. Jetzt will ich zu dem Uebrigen fortgehen und mich auf die mir zugetheilte Aufgabe beschränken. Denn aus den Fundgruben, die Antonius nachgewiesen hatS. Buch II, Kap. 27., müssen alle Beweisgründe für jegliche Arten von Streitfragen entlehnt werden; doch sind für die einen Arten diese, für die anderen jene Fundgruben geeigneter. Hierüber zu reden ist unnöthig, nicht sowol weil es zu weitläufig, als weil es einleuchtend ist. 120. Diejenigen Reden sind nun die schönsten, welche sich am Weitesten ausbreiten und sich von der besonderen und einzelnen Streitfrage zu der Entwickelung des Wesens der ganzen Gattung wenden, damit die Zuhörer die Sache nach ihrer natürlichen Beschaffenheit, nach ihrer Gattung und ihrem ganzen Umfange erkennen und dadurch befähigt werden über die einzelnen Beklagten, Verbrechen und Streitigkeiten zu entscheiden. 121. Zu dieser Uebung hat euch, junge Männer, Antonius ermahnt, indem er euch von kleinlichen und engherzigen Zänkereien in das ganze so reiche und mannigfaltige Gebiet der wissenschaftlichen Streitlehre hinüberführen zu müssen glaubte. Eine solche Aufgabe kann also nicht durch einige kleine Lehrbücher gelöst werden, wie die meinen, die über die Redekunst geschrieben haben, sowie auch nicht durch ein Tusculanisches Gespräch und unseren vormittägigen Lustgang oder unsere nachmittägige Sitzung. Denn nicht blos die Zunge müssen wir schärfen und zuspitzen; nein, die Brust muß mit der Anmuth, der Fülle und Mannigfaltigkeit ungemein vieler und höchst wichtiger Sachkenntnisse versehen und angefüllt werden.

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