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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 188
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXVI. 101. Darum mag man uns, so oft man will, zurufen: Wie schön! und wie herrlich! Aber: Wie niedlich! und wie nett! mag ich nicht gar zu oft hören. Wiewol ich wünschte, jener Ausruf: Unvergleichlich! möchte mir recht häufig zu Theil werden; so muß doch auch das höchste und bewunderungswürdigste Lob der Rede einen Schatten und eine Vertiefung haben, damit die Lichtseiten um so mehr abstechen und hervortreten. Niemals trägt Roscius folgenden Vers so nachdrücklich vor, wie er könnte:

Denn der Weise sucht für Tugend Ruhm zum Lohne, nicht Gewinn,

sondern er wirft ihn nur so hin, um sich auf die nächstfolgenden:

Ach, was seh' ich? schwertumgürtet hält er der Götter Haus besetzt u. s. w.

mit um so größerer Wucht zu werfen, indem er seine Blicke spielen läßt, und Verwunderung und Staunen ausdrückt. 102. Ferner der andere SchauspielerWahrscheinlich Aesopus. Einige verstehen die Worte: ille alter von einem Verse.:

Welchen Schutz such' ich jetztVollständig steht der Vers III. 47, 183.?

Wie sanft, wie gelassen, wie wenig leidenschaftlich trägt er diese Worte vor; denn es folgt gleich darauf:

O Vater und o Vaterland, o Priamus' Palast!

wobei der Vortrag nicht so erschütternd sein könnte, wenn er schon durch die frühere Bewegung verbraucht und erschöpft wäre. Dieß haben jedoch die Schauspieler nicht eher eingesehen als die Dichter selbst und überhaupt die Tonsetzer, welche beide den Ton erst sinken lassen, dann wieder heben, dann schwächen und wieder anschwellen, dann wechseln und gegen einander abstechen lassen. 103. So möge sich nun auch der Schmuck und die Lieblichkeit unseres Redners verhalten, wie es auch nicht anders bei ihm sein kann. Er soll eine herbe und kernhafte Lieblichkeit haben, nicht eine süßliche und kraftlose. Uebrigens sind die Regeln selbst, die man über den Schmuck der Rede gibt, von der Art, daß sie selbst der schlechteste Redner beobachten kann. Darum muß man sich, wie ich zuvor bemerkte, vor Allem einen Vorrath von Sachkenntnissen aneignen, worüber Antonius geredet hat; diesen muß man durch die Behandlung und Darstellungsweise künstlich ausbilden, durch Worte in das gehörige Licht stellen und durch Gedanken in mannigfaltiger Abwechslung hervortreten lassen. 104. Das höchste Lob der Beredsamkeit besteht aber darin, daß man einen Gegenstand durch die Ausschmückung vergrößert, was nicht bloß stattfindet, wenn man Etwas verschönert und erhöht, sondern auch, wenn man Etwas schmälert und herabdrückt.

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