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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 185
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXIII. 86. Aber, lieber Catulus, willst du meine Ansicht über diese gelehrten Beschäftigungen wissen, so glaube ich, daß ein fähiger Kopf, der das Forum, die Curie, die öffentlichen Verhandlungen, das Staatswesen zu seinem Berufe macht, nicht so viel Zeit dazu nöthig hat, als sich die nehmen, deren ganzes Leben in den wissenschaftlichen Bestrebungen aufgeht. Denn alle Künste werden anders von denen getrieben, die sie zur Ausübung im Leben anwenden; anders von denen, die sich von der Beschäftigung mit den Künsten selbst so angezogen fühlen, daß sie im Leben nichts Anderes treiben wollen. Ein hiesiger Lehrmeister der SamnitenD. i. Gladiatoren. gibt, obgleich schon hoch bejahrt, doch täglich Unterricht; denn er hat keine andere Beschäftigung. Hingegen Quintus VelociusIst nicht weiter bekannt. hatte in seiner Jugend neben seinem anderen Unterrichte auch das Fechten gelernt, und weil er dazu Geschick besaß und es gründlich erlernt hatte, war er, wie es bei LuciliusUeber Lucilius s. zu I. Kap. 16. Anm. 138. heißt,

                                                            ein tüchtiger Kämpfer
Wohl in der Schule geübt, mit dem Fechtstab gleichend dem Besten;

aber weit mehr Thätigkeit verwandte er auf das Forum, die Freunde und das Hauswesen. 87. Valerius sang täglich; denn er war vom Theater; hingegen unser Freund Numerius FuriusValerius und Furius sind nicht weiter bekannt. singt, wenn es ihm bequem ist; denn er ist Familienvater, ist Römischer Ritter; in seiner Jugend hat er gelernt, was zu lernen war. Ein gleiches Verhältniß findet bei den höheren Wissenschaften statt. Tag und Nacht sahen wir den hochverdienten und einsichtsvollen Quintus TuberoQuintus Aelius Tubero, ein Stoiker. S. Cicer. Brut. 31, 117. unter Leitung eines Philosophen dieser Wissenschaft obliegen; hingegen an seinem Oheim AfricanusS. zu II, 37, 154, Anm. 380. konnte man kaum merken, daß er sich damit beschäftigte, und doch that er es. Solche Wissenschaften lassen sich leicht lernen, wenn man nur so viel davon nimmt, als man braucht, wenn man einen treuen Lehrer hat, und wenn man selbst zu lernen versteht. 88. Will man aber im ganzen Leben nichts Anderes treiben, so erzeugt die Behandlung und Untersuchung der Dinge aus sich selbst täglich Fragen, deren Lösung man in müssiger Behaglichkeit ergründen möchte. Hieraus folgt, daß die ErforschungNach der Muthmaßung Müller's, die auch von Ellendt aufgenommen ist. der Dinge unendlich. die Erlernung hingegen leicht ist, wenn die Anwendung das Gelernte befestigt, mäßiger Fleiß darauf verwendet wird, und Gedächtniß und Eifer ausdauern. Es macht aber Vergnügen immer zu lernen, so daßIch habe nach der Muthmaßung: ut velim ego statt ut si velim ego übersetzt. Die Lesart ist jedenfalls verdorben. ich gern recht gut Würfel spielen oder mit besonderer Neigung das Ballspiel treiben möchte, vielleicht auch, wenn ich darin Nichts leisten könnte. 89. Aber Andere, weil sie dieß vortrefflich verstehen, finden ein größeres Vergnügen daran, als gut ist, wie Titius am Ballspiele, BrullaUeber den Titius vgl. II, 11, 48. Brulla ist unbekannt. am Knöcheln. Daher braucht Niemand den großen Umfang der Wissenschaften aus dem Grunde zu fürchten, weil Greise noch daran lernen; denn entweder haben sie sich erst im Alter damit befaßt oder lassen sich bis zum Alter in ihren Forschungen festhalten oder sind sehr langsame Köpfe. Nach meiner Meinung verhält sich die Sache so: was Einer nicht schnell lernt, das wird er überhaupt nie gründlich erlernen können.

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