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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 183
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XXI. 78. Denn was könnte mein Freund Gajus VellejusVellejus wird von Cicero in dem ersten Buche von dem Wesen der Götter die Ansicht der Epikureer vertheidigend eingeführt. Im Jahre 90 v. Chr. war er Volkstribun. für die Behauptung anführen, daß die sinnliche Lust das höchste Gut sei, was ich nicht nach Belieben entweder vertheidigen oder widerlegen könnte aus den Fundgruben, die Antonius angezeigt hat, mittelst der Redefertigkeit, in der Vellejus unerfahren, ein jeder von uns dagegen wohl geübt ist? Was könnten Sextus PompejusS. zu Buch I. Kap. 15. § 67, Anm. 135. oder die beiden BalbusLucius Lucilius Balbus und Quintus Lucilius Balbus; der letztere wird von Cicero in dem zweiten Buche von dem Wesen der Götter als Vertheidiger der Stoischen Ansicht eingeführt. oder mein Freund, der mit Panätius Umgang gehabt hat, Marcus VigelliusIst sonst nicht weiter bekannt., lauter Stoiker, über die Tugend vortragen, so daß ich oder irgend einer von euch in einer solchen Erörterung ihnen nachstehen müßte? 79. Mit der Philosophie nämlich verhält es sich anders als mit den übrigen Wissenschaften. Was würde zum Beispiel Einer in der Geometrie anfangen, der sie nicht erlernt hätte? was in der Musik? Entweder muß er schweigen, oder man wird ihn für einen unklugen Menschen halten. Der Stoff der Philosophie hingegen wird durch einen scharfsinnigen und durchdringenden Verstand, der überall das Wahrscheinliche hervorzusuchen versteht, ausfindig gemacht, und der geübte Vortrag ist es, der ihn in einer geschmackvollen Form darstellt. Unser gewöhnlicher Redner wird, wenn er auch nicht sehr gelehrt, aber im Reden wohl geübt ist, schon mit dieser gewöhnlichen Uebung die Philosophen zu geißeln wissen und sich von ihnen nicht verachten und geringschätzen lassen. 80. Sollte aber dereinst Einer auftreten, der nach des Aristoteles Weise über alle Gegenstände für und wider seine Ansicht vortragen und nach dessen Regeln bei jeder Sache zwei entgegengesetzte Vorträge halten oder nach des Arcesilas und KarneadesUeber Arcesilas und Karneades siehe zum Kap. 18, Anmerkung 675 und 676. Weise gegen jeden vorgelegten Satz gründlich reden und mit dieser Einsicht auch die Uebung der Rednerschule und die Fertigkeit im RedenNach der von Ellendt gegebenen Lesart: hunc rhetoricum usum exercitationemque dicendi. vereinigen könnte: so würde ich sagen, der ist der wahre, der vollkommene, der einzige Redner. Denn sowie der Redner ohne die kernige Kraft der gerichtlichen Beredsamkeit nicht genug Feuer und Gewicht haben kann, so muß es ihm ohne vielseitige Gelehrsamkeit an seiner Bildung und Weisheit gebrechen. 81. Demnach wollen wir gern zulassen, daß euer KoraxUeber Korax s. zu I. Kap. 20. Anm. 146. Cicero spielt hier auf den Namen Κόραξ, Rabe, an. seine Jungen im Neste ausbrüte, auf daß sie als widrige und lästige Schreier ausfliegen, und daß jener vortreffliche Pamphilus einen so wichtigen Gegenstand wie ein Kinderspiel auf Bändern bildlich darstelleDie Stelle ist dunkel. Ob der hier erwähnte Pamphilus der Maler, der Lehrer des Apelles, der auch eine Rhetorik geschrieben haben soll, oder ein anderer Lehrer der Beredsamkeit sei, läßt sich nicht mit Bestimmtheit entscheiden. Aus Cicero's Worten scheint hervorzugehen, daß dieser Korax die Regeln der Redekunst bildlich dargestellt habe.; und nehmen wir auch an, wir selbst könnten in dieser kurzen Erörterung am gestrigen und heutigen Tage den ganzen Beruf des Redners darlegen: so bleibt doch die Beredsamkeit eine Wissenschaft von so großem Umfange, daß sie in allen Schriften der Philosophen, die nie einer der gewöhnlichen Redner berührt hat, enthalten zu sein scheintDer Sinn der Worte scheint zu sein: ein ausgezeichneter Redner muß alle Bücher der Philosophen lesen, da aus allen Nützliches für die Beredsamkeit gelernt werden kann..

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