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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 181
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XIX. 69. Sowie nun von dem Apenninischen Gebirge die Flüsse, so haben sich von diesem gemeinsamen BerggipfelD. i. Sokrates. der Weisheit die Wissenschaften in verschiedene Arme getheilt, indem die Philosophen gleichsam in das obere Ionische, Griechische und hafenreiche Meer hinabfloßen, die Redner hingegen in unser unteres Tuskisches, barbarisches, klippenvolles und unwirtbares Meer hinabstürzten, in dem auch Ulixes selbst umhergeirrt war. 70. Wollt ihr also mit einer solchen Beredsamkeit und einem solchen Redner zufrieden sein, welcher weiß, daß man eine gemachte Beschuldigung ableugne oder, ist dieß nicht möglich, zeigen müsse, daß die Handlung des Angeschuldigten entweder mit Recht oder durch eines Anderen Schuld oder Unrecht oder dem Gesetze gemäß oder nicht gegen das Gesetz oder aus Unwissenheit oder nothgedrungen geschehen sei, oder daß sie nicht mit dem Namen belegt werden dürfe, den man ihr beilege, oder daß die Klage nicht nach Pflicht und Befugniß angestellt werde; und haltet ihr es für hinlänglich das zu erlernen, was jene Schriftsteller der Kunst lehren, was jedoch Antonius weit geschmackvoller und reichhaltiger entwickelt hat, als es von jenen vorgetragen wird: wollt ihr, sage ich, hiermit zufrieden sein, sowie auch mit dem, was ich euch auf euer Verlangen vortragen soll, so treibt ihr den Redner aus einem unermeßlich großen Felde in eine wahrlich recht enge Laufbahn. 71. Wollt ihr aber dem Perikles oder dem Demosthenes, der uns wegen seiner vielen Schriften vertrauter ist, folgen, und habt ihr jenes Musterbild des vollkommenen Redners in seinem herrlichen Glanze und seiner vorzüglichen Schönheit liebgewonnen: so müßt ihr euch des Karneades oder des Aristoteles dialektische Gewandtheit anzueignen suchen. 72. Denn, wie ich zuvor bemerkte, jene Alten bis auf Sokrates verbanden die gesammte Kenntniß und Wissenschaft aller Dinge, welche sich auf die Sitten der Menschen, auf das Leben, auf die Tugend, auf den Staat beziehen, mit der Redekunst. Später aber, nachdem, wie ich auseinandergesetzt habe, von Sokrates, sowie auch von allen Sokratikern der Reihe nach die Redner von den Philosophen gesondert waren, verachteten die Philosophen die Beredsamkeit, sowie die Redner die Philosophie, und beide berührten durchaus nicht des Anderen Gebiet außer in dem, was sie wechselseitig von einander entlehnten, während sie aus einer gemeinsamen Quelle schöpfen könnten, wenn sie in ihrer früheren Gemeinschaft hätten verbleiben wollen. 73. Aber sowie die alten Oberpriester wegen der Menge der Opfer für die Besorgung der Opfermahle drei Opferpriestertriumviri epulones. gewählt haben, obwol sie selbst von Numa zu dem Zwecke eingesetzt waren das Opfermahl bei den Spielen zu besorgen; so haben auch die Sokratiker von sich und dem gemeinsamen Namen der Philosophie die Sachwalter geschieden, während die Alten die Kunst der Rede und die des Denkens in eine wunderbare Gemeinschaft mit einander gesetzt hatten.

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