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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 18
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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VIII. Hier also leitete Crassus, wie Cotta oftmals erzählte, um den Gemüthern Aller eine Erholung von der gestrigen Unterredung zu gewähren, das Gespräch auf die wissenschaftliche Erlernung der Beredsamkeit. 30. Er begann mit der Erklärung, Sulpicius und Cotta bedürften nicht seiner Aufmunterung, sondern beiden müsse man vielmehr Lob ertheilen, weil sie sich schon eine solche Geschicklichkeit im Reden angeeignet hätten, daß sie nicht allein ihren Altersgenossen vorgezogen, sondern sogar den Aelteren gleichgestellt würden. Und wahrlich – so fuhr er fort – es erscheint mir Nichts so vortrefflich als die Kunst durch die Rede die Aufmerksamkeit der Menschen in den Versammlungen zu fesseln, ihre Gemüther zu gewinnen, ihre Neigungen zu leiten, wohin man will, und wovon man will, abzulenken. Sie ist die einzige, welche bei jedem freien Volke und besonders in friedlichen und ruhigen Staaten vorzüglich immer geblüht und immer geherrscht hat. 31. Denn was ist so bewunderungswürdig, als wenn aus einer unendlich großen Menge von Menschen Einer auftritt, der das, was Allen die Natur verliehen hat, entweder allein oder nur mit Wenigen ausüben kann? Oder was ist für Geist und Ohr so anziehend, als eine mit weisen Gedanken und gewichtigen Worten geschmückte und fein ausgebildete Rede? Aber was macht einen so mächtigen und erhabenen Eindruck, als wenn die Bewegungen des Volkes, die Bedenklichkeiten der Richter, die Würde des Senates durch Eines Mannes Rede gelenkt wird? 32. Was ist ferner so königlich, so freigebig, so großmüthig, als Hülfe zu leisten den Flehenden, aufzurichten die Niedergeschlagenen, Rettung vom Untergange zu gewähren, von Gefahren zu befreien, die Menschen im Staate zurückzuhalten? Was ist aber so nothwendig, als zu jeder Zeit Waffen zu besitzen, mit denen man sich entweder selbst decken kann oder die Schlechten zum Kampfe herausfordern oder angegriffen sich rächen? Und nun weiter, um nicht immer an Forum, Gerichtsstühle, Rednerbühne und Curie zu denken, was kann in der Muße erfreulicher oder dem menschlichen Wesen entsprechender sein, als eine feine und in keinerlei Weise ungebildete Unterredung? Denn darin gerade besteht unser größter Vorzug vor den rohen Thieren, daß wir uns mit einander unterreden und unsere Empfindungen durch Worte ausdrücken können. 33. Wer sollte daher dieses nicht mit Recht bewundern und das nicht seiner eifrigsten Bemühungen werth achten, daß er darin die Menschen selbst überrage, worin gerade die Menschen sich am Meisten vor den Thieren auszeichnen? Um nun aber auf das Wichtigste zu kommen, welche andere Macht konnte die zerstreuten Menschen an Einem Orte zusammenschaaren oder von der wilden und rohen Lebensweise zu der jetzigen menschlichen und bürgerlichen Bildung leiten oder nach Gründung der Staaten Gesetze, Gerichte und Gesetze anordnen? 34. Und um nicht noch mehr Vortheile, deren es fast unzählige gibt, aufzusuchen, will ich es kurz zusammenfassen. Ich urtheile nämlich so: Auf der leitenden Weisheit des vollkommenen Redners beruht vorzüglich nicht allein seine eigene Würde, sondern auch die Wohlfahrt der meisten Einzelnen und des ganzen Staates. Darum, junge Freunde, fahrt so fort, wie ihr thut, und legt euch mit allem Eifer auf die Wissenschaft, der ihr euch widmet, damit ihr euch Ruhm, den Freunden Nutzen und dem Staate Vortheil gewähren könnet.

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