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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 177
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XV. 56. Diese Kunst des Denkens und Vortragens und diese Geschicklichkeit der Rede, sage ich, nannten die alten Griechen Weisheit. Aus ihr gingen Männer hervor, wie Lykurgus, Pittakus, SolonLykurgus und Solon sind hinlänglich bekannt. Pittakus, Beherrscher von Mitylene auf der Insel Lesbos, einer der sieben Weisen., und in ähnlicher Weise bei uns ein Coruncanius, ein Fabricius, ein Cato, ein ScipioTiberius Coruncanius, in dem Kriege gegen die Etrusker im Jahre 282 v. Chr. als Feldherr ausgezeichnet, 280 Consul, der erste Plebejer, der Pontifex Maximus (hoher Priester) war (252), ein großer Rechtsgelehrter. – Ueber Gajus Fabricius Luscinus s. zu Buch II. Kap. 66. Anm. 529. – Marcus Porcius Cato, der Aeltere, mit dem Beinamen der Weise und Censorius, 196 v. Chr. Consul, 186 Censor, war ein ausgezeichneter Redner, Feldherr und Senator. Auch schrieb er außer Anderem die Origines, d. h. eine Urgeschichte Italiens. – Scipio der Aeltere, Besieger des Hannibal bei Zama 201 v. Chr.; Scipio der Jüngere, Zerstörer Karthagos 146 v. Chr. und Numantias 143., die vielleicht nicht so gelehrt waren, aber von gleichem Seelendrange und gleicher Gesinnung belebt. Andere aber, wie Pythagoras, Demokritus, AnaxagorasUeber Pythagoras und Demokritus s. zu I, 10, 42. – Anaxagoras aus Klazomenä, einer Stadt Ioniens, geb. 496 v. Chr., ein Philosoph der Ionischen Schule, Lehrer des Perikles. Verbannt starb er zu Lampsakus, einer Stadt Mysiens, im Jahre 428., besaßen zwar dieselbe Klugheit, aber, nach einem verschiedenen Lebensplane Ruhe und Muße suchend, entsagten sie der Staatsverwaltung und widmeten sich mit ganzer Seele der Erforschung der Wahrheit. Diese Lebensweise zog aber wegen der Gemüthsruhe, die sie gewährt, und wegen der Süßigkeit der Wissenschaft selbst, welche alle anderen Annehmlichkeiten der Menschen übertrifft, mehr Männer an, als den Staaten zuträglich war. 57. Als nun die hervorragendsten Köpfe sich dieser Neigung hingaben und über ihre Zeit frei und unbehindert verfügen konnten, so veranlaßte der Ueberfluß an Muße und die Fruchtbarkeit ihres Geistes diese gelehrten Männer weit Mehr, als nöthig war, zu betreiben, zu untersuchen und zu erforschen. Denn die alte Gelehrsamkeit wenigstens erscheint zugleich als Lehrerin der sittlichen Handlung und der Wohlredenheit, und für die Kunst des Lebens und des Redens gab es nicht besondere Lehrer, sondern es waren die nämlichen, wie jener Phönix bei Homer, welcher sagt, er sei vom Vater Peleus dem jungen Achilleus für den Krieg zum Begleiter gegeben, um ihn tüchtig zu bilden im Reden und HandelnIliad. IX, 443:

μύθων τε ρητη̃ρ' έμεναι πρηκτη̃ρα τε έργων,
Beides, beredt in Worten zu sein und rüstig in Thaten.
Voß.
. 58. Aber sowie Menschen, welche an anhaltende und tägliche Arbeit gewöhnt sind, wenn sie durch das Wetter von ihrem Tagewerke abgehalten werden, zum Ball- oder Knöchel- oder Würfelspiele greifen oder sich selbst auch in der Muße einen neuen Zeitvertreib aussinnen: so machten es auf ähnliche Weise auch jene Männer, wenn sie sich von der Beschäftigung mit den Staatsgeschäften durch die Zeitverhältnisse ausgeschlossen sahen oder sich aus freier Wahl der Muße ergaben. Einige von ihnen wandten sich ganz der Dichtkunst zu, Andere der Geometrie, Andere der Musik, Andere schufen sich auch, wie die Dialektiker, eine neue Beschäftigung und UnterhaltungDie Dialektik, welche Zeno (um 460 v. Chr.) aus Elea, einer Stadt Großgriechenlands, ein Schüler des Parmenides, Gründer der Eleatischen Schule, erfunden haben soll., und so brachten sie ihre ganze Lebenszeit in den Künsten zu, die zu dem Zwecke erfunden sind den Geist der Jugend zu der höheren Menschenbildung und zu einem tugendhaften Leben anzuleiten.

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