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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 174
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XII. 44. Da es nun eine bestimmte, den geborenen Römern und der Stadt Rom eigentümliche Aussprache gibt, in der sich nichts Anstößiges, nichts Mißfälliges, nichts Tadelnswerthes findet, Nichts, was einen fremdartigen Klang oder Anstrich hätte: so wollen wir uns diese aneignen und nicht bloß die bäurische Rauheit, sondern auch das Auffallende einer ausländischen Aussprache zu vermeiden lernen. 45. Wenn ich meine Schwiegermutter LäliaLälia, die Tochter des Gajus Lälius Sapiens, die mit dem Augur Quintus Mucius Scävola verheirathet war Vgl. Cicer. Brut. 58, 211. höre – die Frauen bewahren ja die altertümliche Aussprache leichter in ihrer unverfälschten Reinheit, weil sie nicht Viele sprechen hören und daher immer das festhalten, was sie zuerst gelernt haben – wenn ich also die Lälia höre, so ist es mir nicht anders, als wenn ich den Plautus oder NäviusMarcus Accius Plautus, geboren zu Sarsina, einer Stadt Umbriens, im Jahre 227 v. Chr., gestorben 184, ist der berühmteste Lustspieldichter der Römer. – Nävius aus Kampanien (gest. 105 v. Chr.) war ein berühmter Römischer Tragiker, Komiker und Epiker. Auch verfaßte er ein historisches Gedicht, den ersten Punischen Krieg. hörte. Schon der Ton ihrer Stimme ist so richtig und einfach, daß man sieht, sie ist von aller Prunksucht und Nachahmung frei: woraus ich schließe, daß so ihr Vater, so ihre Vorfahren gesprochen haben: nicht rauh, wie der oben genannte, nicht plump, nicht bäurisch, nicht klaffend, sondern mit wohlgerundetem Munde, ebenmäßig und sanft. 46. Unser CottaLucius Cotta, der Kap. 11, §. 42, erwähnt worden ist. also, dessen breite Aussprache du, mein Sulpicius, bisweilen nachahmst, indem du den Laut I aufhebst und dafür ein sehr volles E aussprichstWahrscheinlich so, daß der Laut I in Ei gedehnt wird, also omneis statt omnis., scheint mir nicht die alten Redner, sondern die Schnitter nachzuahmen. – Als Sulpicius selbst hierbei lächelte, sagte Crassus: Ja, so will ich mit euch verfahren: ihr habt mich zum Reden genöthigt; nun gut, so sollt ihr auch Etwas von eueren Fehlern hören. – Ei, möchtest du doch das thun! erwiderte jener. Das wünschen wir ja gerade, und wenn du dieses thust, so werden wir, wie ich glaube, gleich hier noch an heutigem Tage viele Fehler ablegen. – 47. Aber freilich kann ich dich, Sulpicius, fuhr Crassus fort, nicht ohne meine eigene Gefahr tadeln, weil ja Antonius erklärt hatS. Buch II. Kap. 21, §. 89., er finde dich mir sehr ähnlich. – Ja, tadle mich nur, erwiderte dieser; denn jener hat zugleich auch die Lehre gegeben, wir möchten nur das Vorzüglichste an Anderen nachahmen. Daher befürchte ich, daß ich von dir Nichts nachgeahmt habe als das Stampfen mit dem Fuße und einige wenige Ausdrücke und im glücklichsten Falle die eine oder andere Bewegung. – Also, sagte Crassus, was du von mir hast, will ich nicht tadeln; sonst möchte ich mich selbst lächerlich machen; doch was du von mir hast, ist weit mehr und viel Wichtigeres, als was du anführst. Was aber entweder ganz dein Eigentum ist, oder was du Anderen nachgebildet hast, darüber will ich dir, wenn vielleicht eine Gelegenheit dazu Veranlassung geben sollte, meine Bemerkungen mittheilen.

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