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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 173
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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XI. 40. Und um sprachrein zu reden, müssen wir nicht allein darauf sehen, daß wir nur solche Worte vorbringen, welche Niemand mit Recht tadeln kann, und an ihnen hinsichtlich der Kasusendungen, der Zeitformen und der Geschlechts- und Zahlform den richtigen Gebrauch beobachten, um nicht etwas Verwirrtes und Widersinniges oder Verkehrtes zu sagen, sondern wir müssen auch selbst die Zunge, den Athem und den Ton der Stimme regeln. 41. Ich mag nicht, daß man die Laute gar zu geziert ausdrücke; ich mag nicht, daß man sie zu nachlässig verschlucke; ich mag nicht, daß man die Worte mit einem zu seinen Hauche, aber auch nicht, daß man sie mit vollen Backen ausspreche und gleichsam aus tiefer Brust auskeuche. Denn von der Stimme erwähne ich noch nicht das, was zum äußeren Vortrage gehört, sondern nur das, was mit der Sprache in Verbindung steht. Es gibt nämlich gewisse Fehler, die Jeder gern vermeiden mag: eine weiche oder weibische oder allen Wohlklang verletzende und mißtönende Stimme. 42. Es gibt aber auch einen Fehler, den Manche absichtlich sich anzueignen suchen. Eine bäurische und grobe Aussprache gefällt Einigen, damit ihre Sprache, wenn sie so klingt, um so mehr das Altertümliche festzuhalten scheine. So scheint mir dein Freund, lieber Catulus, Lucius CottaLucius Cotta war im Jahre 96 v. Chr. mit Gajus Norbanus Volkstribun. Ueber seine Aussprache vergl. Cicer. Brut. 36, 137. und 74, 259. an Schwerfälligkeit der Zunge und an einem groben Tone der Stimme Gefallen zu finden, und er meint, seine Worte würden altertümlicher erscheinen, wenn sie recht bäurisch klängen. Mir hingegen gefällt dein Ton und jene Lieblichkeit, ich meine nicht die der Worte, wiewol sie die Hauptsache ist; doch diese eignen wir uns an durch die Kunst, erlernen wir durch die Sprachwissenschaft, befestigen wir durch die Uebung im Lesen und Schreiben; sondern ich meine die Lieblichkeit, die aus dem Munde hervorgeht, welche, wie bei den Griechen den Attikern, so in der Lateinischen Sprache unserer Stadt vorzugsweise eigen ist. 43. Zu Athen ist die gelehrte Bildung schon lange für die Athener selbst untergegangen; nur der Wohnsitz ist in dieser Stadt für die Wissenschaft geblieben, deren die Bürger entbehren, die Fremden hingegen, eingenommen durch den Namen und das Ansehen der Stadt, genießen; gleichwol wird die gelehrtesten Asiaten jeder beliebige ungelehrte Athener nicht in den Worten, wohl aber in dem Tone der Stimme und nicht sowol an Güte als an Lieblichkeit der Sprache leicht übertreffen. Die Unsrigen beschäftigen sich weniger mit den Wissenschaften als die Latiner, und doch findet sich unter unseren Stadtbürgern, welche – du kennst sie ja – nur eine sehr geringe wissenschaftliche Bildung besitzen, Niemand, der es nicht dem gelehrtesten aller TogatenTogaten heißen Römische Bürger sowol in der Stadt selbst als auch außerhalb derselben, wie es hier von den Latinern gebraucht ist., dem Quintus Valerius SoranusDie Gelehrsamkeit des Q. Valerius Soranus, eines Latiners, wird von Cicero auch im Brut. 46, 169. gerühmt., an Sanftheit der Stimme und au Abrundung und Wohllaut der Aussprache selbst leicht zuvorthäte.

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