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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 172
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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X. 37. Diese Bemerkungen mußte ich vorausschicken, damit, wenn nicht Alles, was ich vortrage, euerer Neigung zusagt und der Art der Beredsamkeit, der ein jeder von euch seinen Beifall schenkt, angemessen ist, ihr wißt, daß ich nur die Art der Beredsamkeit darlege, die ich selbst für die beste befunden habe. Zu dem also, was Antonius entwickelt hatAntonius hat über die Erfindung und die Anordnung gesprochen., muß ein gewisser äußerer Vortrag und eine gewisse Darstellung in Worten hinzutreten. Welche Darstellungsweise ist nun wol besser, – über den Vortrag werde ich später reden – als wenn wir ächt Lateinisch, deutlich, geschmückt und dem Gegenstande der Verhandlung angemessen und entsprechend reden? 38. Ueber die beiden zuerst genannten Punkte, die Reinheit und Deutlichkeit der Rede, werden, glaub' ich, keine Regeln von mir erwartet. Wir versuchen ja nicht den reden zu lehren, der noch nicht zu sprechen versteht, noch dürfen wir hoffen, daß der, welcher nicht richtig Lateinisch sprechen kann, geschmückt reden werde, oder gar, daß der, welcher nicht verständlich redet, im Stande sei durch seine Rede Bewunderung zu erregen. Lassen wir also dieses unberührt; es kann ja leicht erlernt werden und ist für den Gebrauch unentbehrlich. Denn das Eine wird den Knaben in dem ersten Sprachunterrichte gelehrt; das Andere wird zu dem Zwecke angewendet, damit man verstehe, was Einer sagt; dieses ist nun zwar, wie wir wissen, nothwendig, aber es ist das Allergeringste. Die Sprachrichtigkeit wird zwar in ihrem ganzen Umfange durch die Sprachkunde ausgebildet, aber gefördert wird sie durch das Lesen der Redner und Dichter. 39. Denn jene Alten, die ihre Rede noch nicht auszuschmücken verstanden, haben sich fast alle sehr sprachrichtig ausgedrückt, und wer sich an ihre Rede gewöhnt hat, der muß unwillkürlich rein Lateinisch reden. Jedoch darf man sich der Worte, die unser jetziger Sprachgebrauch nicht mehr anwendet, nur zuweilen zum Schmucke bedienen, und zwar sparsam, wie ich zeigen werde; von den gebräuchlichen kann der, welcher sich fleißig und viel mit den alten Schriften beschäftigt hat, die auserlesensten anwenden.

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