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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 170
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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VIII. 29. Doch wozu soll ich Beispiele aus alten Zeiten zusammensuchen, da es mir gestattet ist sie in der Gegenwart und unter den Lebenden zu finden? Was hat je unsere Ohren angenehmer berühren können als die Rede unseres Catulus? Sie ist so rein, daß er beinahe allein ächt Lateinisch zu reden scheint; sie ist gewichtvoll, doch so, daß sie mit der ausgezeichnetsten Würde alle Leutseligkeit und heitere Laune verbindet. Kurz, wenn ich ihn höre, so pflege ich zu urtheilen, daß durch jeden Zusatz oder Veränderung oder Weglassung sein Vortrag nur verschlechtert und verdorben werden könnte. 30. Wie? Unser Cäsar, hat er nicht eine neue Behandlung der Rede angewandt und eine, ich möchte sagen, ganz absonderliche Art der Beredsamkeit eingeführt? Wer hat je außer ihm tragische Gegenstände fast komisch, traurige scherzhaft, ernste heiter, gerichtliche mit einer beinahe schauspielmäßigen Anmuth behandelt, und zwar so geschickt, daß weder der Scherz durch die Größe der Gegenstände aufgehoben, noch der Ernst durch den Witz vermindert wurde? 31. Siehe, hier sind ja zwei junge Männer gegenwärtig, die fast von gleichem Alter sind, Sulpicius und Cotta. Wie unähnlich sind sie einander, und doch wie vortrefflich ist jeder in seiner Art! Der Eine ist gefeilt und fein, seinen Gegenstand mit den eigentümlichen und geeigneten Worten entwickelnd. Er bleibt immer bei der Sache, und sobald er durch seinen ausgezeichneten Scharfsinn erkannt hat, was er dem Richter beweisen muß, richtet er mit Uebergehung der anderen Beweisgründe hierauf allein seine Gedanken und Worte. Sulpicius aber redet mit dem stärksten Feuer, mit der volltönendsten und lautesten Stimme, mit der größten Anstrengung des Körpers und dem würdevollsten Anstande in seinen Bewegungen, zugleich auch mit einem solchen Nachdrucke und Reichtume der Worte, daß er ganz vorzüglich zur Beredsamkeit von der Natur ausgerüstet zu sein scheint.

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