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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 17
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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VII. 24. Zu der Zeit also, da der Consul PhilippusLucius Marcus Philippus war im Jahre 91 v. Chr. mit Sextus Julius Cäsar Consul und Marcus Livius Drusus Volkstribun. Im Jahre 123 v. Chr. war durch ein Gesetz des Gajus Gracchus dem Senate die Gerichtsbarkeit genommen und den Rittern übertragen worden. Diese übten viele Ungerechtigkeiten gegen den Senat aus. Der Senat bemühte sich daher auf das Angelegentlichste wieder in den Besitz der Gerichtsbarkeit zu kommen. Der Volkstribun Drusus nahm sich der Sache des Senates an; der Consul Philippus aber widersetzte sich ihm nachdrücklich und griff den Senat und die Vornehmen in den öffentlichen Versammlungen sehr heftig an. Vergleiche Cic. de Orat. III. I, 2. Aber da Drusus die Gerichtsbarkeit zwischen den Senat und die Ritter gleichmäßig vertheilen, dreihundert Ritter in den Senat aufnehmen und den Bundesgenossen das Bürgerrecht ertheilen wollte, so wandte sich allmählich der Senat von ihm ab, und so geschah es, daß er bei beiden Parteien sein Ansehen verlor. Zuletzt wurde er meuchlings ermordet, und die Ritter blieben im Besitze des Richteramtes. die Sache der Vornehmen mit großer Leidenschaft angriff, und das für das Ansehen des Senates übernommene Tribunat des Drusus schon kraftlos und schwach zu werden schien, begab sich Lucius CrassusUeber Lucius Crassus (geb. 140 v. Chr., also damals 49 Jahre alt, Schwiegersohn des Augurs Scävola), einen der größten Redner damaliger Zeit, s. die Einleitung S. 18–21. – so wurde mir, wie ich mich erinnere, erzählt – während der Tage der Römischen SpieleDie Römischen Spiele (auch die großen oder größten genannt) waren von Tarquinius Priscus gegründet und wurden von den curulischen Aedilen zu Ehren des Jupiter, der Juno und Minerva acht Tage lang vom vierten bis zum dreizehnten September gefeiert. Während derselben hatten die Senatoren Ferien, weil keine Beratschlagungen stattfanden. zu seiner Erholung auf sein Tusculanum; dahin kamen auch sein gewesenerqui fuerat. Die Gattin des Crassus war damals, als das Gespräch gehalten sein soll, schon gestorben. Schwiegervater Quintus Mucius und Marcus AntoniusUeber Quintus Mucius Scävola mit dem Beinamen Augur (damals 80 Jahre alt), Schwiegersohn des weisen Lälius, den größten Rechtsgelehrten damaliger Zeit, und über Marcus Antonius (geb. 144 v. Chr., also damals 51 Jahre alt), einen der größten Redner damaliger Zeit, s. die Einleitung S. 21 u. 22 und S. 15–17[?]., ein Mann, der des Crassus Ansichten in der Verwaltung des Staates theilte und mit ihm in der vertrautesten Freundschaft lebte. 25. Mit dem Crassus selbst waren zwei junge Männer gegangen, welche vertraute Freunde des Drusus waren, und an denen die Aelteren damals zwei wichtige Stützen ihrer Gerechtsame zu erhalten hofften, Gajus Cotta, der sich damals um das Volkstribunat bewarb, und Publius SulpiciusGajus Aurelius Cotta (geb. 124 v. Chr.) und Publius Sulpicius Rufus von gleichem Alter (33 Jahre) mit Cotta, s. die Einleitung S. 22–24., der sich, wie man glaubte, demnächst um dieses Amt bewerben wollte. 26. Diese unterhielten sich an dem ersten Tage über die damaligen Zeitumstände und über die ganze Lage des Staates, weßhalb sie gekommen waren, angelegentlich mit einander bis zur Neige des Tages. In diesem Gespräche, erzählte Cotta, hätten jene drei ConsularenScävola, Antonius und Crassus. Vieles ahnungsvoll beklagt und erwähnt, so daß in der Folge kein Unfall den Staat betroffen habe, den sie nicht so lange vorher hätten drohen sehen. 27. Nach Beendigung des ganzen Gespräches aber habe Crassus eine solche Freundlichkeit gezeigt, daß, als sie sich nach dem Bade zu Tische gelagert hatten, alle Traurigkeit der vorigen Unterredung verschwand, und der Mann einen solchen Frohsinn und so viel heiteren Scherz und Laune äußerte, daß der Tag unter ihnen in der Curie hingebracht zu sein schien, das Gastmahl aber einem Tusculanischen Mahle glichWährend des Tages hatten sie über die damalige Lage des Staates ernste Gespräche, wie in der Curie bei Beratungen über Staatsangelegenheiten gepflogen zu werden pflegten, geführt, den Abend aber brachten sie bei einem heiteren Mahle zu, wie es dem Tusculanischen Landgute angemessen war. Die vornehmen Römer pflegten ja ihre Landgüter zu besuchen, um sich von dem lästigen Stadtleben zu erholen und sich aufzuheitern.. 28. Am folgenden Tage, erzählte er, als die Bejahrteren genug der Ruhe gepflogen hatten, habe man einen Lustgang vorgenommen, und nachdem man zwei- oder dreimal auf- und abgegangen sei, habe Scävola gesagt: Warum, Crassus, ahmen wir nicht jenem Sokrates im Phädrus nach? Deine Platane hier gibt mir diesen Gedanken ein; sie breitet zur Beschattung dieses Ortes ihre Aeste nicht weniger aus, als jene, deren Schatten Sokrates nachging, die mir nicht sowol durch das Bächlein selbst, das dort beschrieben wird, als durch die Rede des Plato gewachsenaequula und oratione crevisse. Cicero gebraucht hier das Wort crescere, wachsen, sehr schön einmal in dem eigentlichen, dann aber in dem figürlichen Sinne für Berühmtheit erlangen. S. Platon. Phaedr. p. 229. A. 230. B. zu sein scheint. Und was jener trotz seiner sehr abgehärteten Füße that, daß er sich auf das Gras niederwarf und so jenes sprach, was die Philosophen wie Göttersprüche rühmen; das darf sicherlich meinen Füßen noch weit eher zu gute gehalten werden. 29. Darauf habe Crassus erwidert: »Nicht so! Wir können es ja bequemer haben!« und habe Polster herbeibringen lassen, und Alle hätten sich auf die Sitze, die unter der Platane waren, niedergelassen.

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