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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 168
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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VI. 21. Doch sollte diese Ansicht zu erhaben erscheinen, als daß sie der gewöhnliche Mensch mit seinen Sinnen und Gedanken erfassen könnte; so ist doch auch jener Ausspruch Plato'sIn Epinom. S. 292, A: δεσμὸς γὰρ πεφυκὼς πάντων τούτων ει̃ς αναφανήσεται διανοουμένοις. wahr und dir, Catulus, gewiß nicht unbekannt, daß das ganze Gebiet aller Wissenschaften der höheren und edlen Menschenbildung durch Ein gemeinsames Band zusammengehalten werde. Denn hat man das Wesen der Vernunftbetrachtung durchschaut, durch die man die Ursachen und Zwecke der Dinge erkennt; so findet man unter allen Wissenschaften eine wunderbare Uebereinstimmung und gleichsam einen Einklang. 22. Doch erscheint auch dieses noch zu hoch, als daß wir niedrigen Erdenkinder unseren Blick dazu emporheben könnten; so müssen wir doch wenigstens den Beruf, den wir gewählt haben, und die Kunst, zu der wir uns bekennen und die wir üben, kennen und verstehen. Es gibt nämlich, wie ich am gestrigen Tage bemerkte und Antonius heute Vormittags an verschiedenen Stellen andeutete, nur Eine Beredsamkeit, auf welche Gebiete und Bereiche des Vortrages sie auch immerhin angewendet werden mag. 23. Denn mag sie nun von der Natur des Himmels oder der Erde, von dem göttlichen oder menschlichen Wesen, mag sie vor Gericht oder im Senate oder vor dem Volke reden, mag sie die Menschen antreiben oder belehren oder abschrecken oder aufregen oder umlenken oder anfeuern oder besänftigen, mag sie zu Wenigen oder zu Vielen, unter Fremden oder mit Angehörigen oder mit sich selbst reden: so zertheilt sie sich zwar in verschiedene einzelne Bäche, entspringt aber nicht aus verschiedenen Quellen, und wohin sie auch schreiten mag, immer erscheint sie in Begleitung des nämlichen Rüstzeuges und Schmuckes. 24. Weil wir nun von Vorurtheilen nicht nur der großen Menge eingenommen sind, sondern auch der Halbgebildeten, die, was sie als ein Ganzes nicht umfassen können, in kleine Theile auseinandergerissen und zerstückelt leichter behandeln, und die von den Gedanken die Worte, gleichsam wie von der Seele den Leib, trennen, obwol ohne den Untergang von Beidem weder das Eine noch das Andere geschehen kann: so will ich in meinem Vortrage nicht mehr auf mich nehmen, als mir auferlegt wird. Nur will ich das kürzlich andeuten, daß weder der Schmuck der Worte sich finden lasse ohne gehörig geordneteIch habe die Lesart der Handschriften partitis beibehalten. Ellendt liest partis. und deutlich ausgedrückte Gedanken, noch irgend ein Gedanke lichtvoll sein könne ohne das Licht der Worte. 25. Doch bevor ich die Mittel zu berühren versuche, durch die nach meiner Meinung der Rede Schmuck und Glanz verliehen werden kann, will ich in der Kürze meine Ansicht über die Beredsamkeit im Allgemeinen darlegen.

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