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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 167
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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V. 17. Als sie nun vor Mittag auseinander gegangen waren und ein Wenig ausruhten, machte Cotta, wie er mir erzählte, unter Anderem besonders die Bemerkung, daß Crassus die ganze Mittagszeit in dem schärfsten und tiefsten Nachdenken zugebracht habe. Da er seine Miene, wenn er reden sollte, und den Blick seiner Augen beim Nachdenken genau kannte und oft bei den wichtigsten Verhandlungen gesehen hatte; so ging er, während die Anderen ruheten, absichtlich in das Zimmer, wo Crassus sich auf einem Ruhebette niedergelassen hatte, und da er ihn in tiefes Nachdenken versunken bemerkte, zog er sich sogleich zurück, und in dieser Stille gingen etwa zwei Stunden hin. Darauf, als sich der Tag schon zum Nachmittage neigte, kamen Alle zum Crassus, und Julius nahm das Wort: Wie steht's, lieber Crassus? Beginnen wir unsere Sitzung? Doch wir kommen nur, um dich daran zu erinnern, nicht um es von dir zudringlich zu verlangen. 18. Hierauf erwiderte Crassus: Haltet ihr mich für so rücksichtslos, daß ich euch einen Liebesdienst, zumal einen solchen, länger schuldig bleiben könnte? – Was wählen wir nun für einen Platz? sagte jener; beliebt es etwa in der Mitte des Lustgehölzes? Denn da ist es am Schattigsten und Kühlsten. – Ganz recht, erwiderte Crassus; denn daselbst befindet sich ein Sitz, der sich ganz für unsere Unterredung eignet. – Da auch die Anderen damit zufrieden waren, so begab man sich in das Lustgehölz und ließ sich hier nieder in gespannter Erwartung dessen, was man hören werde. 19. Jetzt begann Crassus also: Meine Hochachtung gegen euch und euere Freundschaft, sowie die Gefälligkeit des Antonius benehmen mir, so sehr ich auch dazu berechtigt wäre, alle Freiheit der Weigerung. Doch hat dieser bei der Vertheilung unserer Vorträge, indem er für sich den Stoff auswählte, den der Redner behandeln muß, mir aber die Entwickelung der Art und Weise übrig ließ, wie der Stoff geschmückt werden müsse, Dinge von einander geschieden, die sich nicht trennen lassen. Denn da jede Rede aus Sachen und Worten besteht, so können weder die Worte eine Grundlage haben, wenn man die Sachen entzieht, noch die Sachen Licht, wenn man die Worte davon absondert. 20. Und nach meiner Ansicht wenigstens haben die Alten eine weit erhabenere Vorstellung von der Sache gehabt und darum auch viel weiter gesehen, als was die Schärfe unseres Geistes erschauen kann, wenn sie behaupteten, Alles, was über und unter uns ist, bilde Ein Ganzes und werde durch Eine Kraft und Ein Zusammenwirkung der Natur zusammengehalten. Denn es gibt keine Gattung der Dinge, die losgerissen von den übrigen für sich bestehen, oder deren die übrigen entbehren könnten, wenn sie in ihrer Kraft und ewigen Dauer verbleiben sollen.

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