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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 166
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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IV. 13. Was mich betrifft, mein Bruder Quintus, so pflege ich oft, wenn ich die Unfälle der zuvor genannten Männer und die Leiden, die ich selbst aus unaussprechlich großer Liebe zum Staate erduldet und empfunden habe, überdenke, den Rath als gegründet und weise anzusehen, durch den du mich mit Hinweisung auf so viele, so große und so jähe Unfälle der berühmtesten und vortrefflichsten Männer immer von aller Teilnahme an Kämpfen und Streitigkeiten des Staates abzuziehen suchtest. 14. Doch da dieß nicht mehr in meiner Gewalt steht, und meine sehr großen Mühen durch den großen Ruhm, mit dem sie vergolten sind, gemildert werden; so will ich mich den Trostmitteln, die nicht nur nach Stillung der Widerwärtigkeiten angenehm, sondern auch während ihrer Dauer heilsam für uns sein können, zuwenden und die noch rückständige und beinahe letzte Rede des Lucius Crassus der Nachwelt überliefern und ihm den, wenn auch keineswegs der Größe seines Geistes entsprechenden, doch wegen meiner Liebe zu ihm verdienten und schuldigen Dank erstatten. 15. Ein jeder von uns macht sich ja, wenn er die wunderbar schönen Schriften Plato's liest, die fast alle den Sokrates darstellen, so meisterhaft sie auch abgefaßt sind, doch eine höhere Vorstellung von dem Manne, mit dem sie sich beschäftigen. So fordere ich gleichfalls, zwar nicht von dir, der du meine Schriften immer auf das Vorteilhafteste beurtheilst, wohl aber von den anderen Lesern, die diese Bücher in die Hand nehmen werden, daß sie sich von Lucius Crassus eine höhere Vorstellung machen, als ich ihn darzustellen vermag. 16. Denn da ich der Unterredung selbst nicht beiwohnte, und Gajus Cotta mir nur die Hauptsätze und Grundgedanken ihrer Vorträge mittheilte; so habe ich versucht die Ausdruckweise, wie ich sie bei beiden Rednern keinen gelernt hatte, in ihren Gesprächen in den Hauptzügen nachzubilden. Sollte indeß Einer nach einem herrschenden Vorurtheile der Ansicht sein, Antonius sei magerer oder Crassus voller gewesen, als ich beide eingeführt habe; so muß er zu denen gehören, die jene entweder nicht gehört haben oder nicht beurtheilen können. Denn nicht nur zeichneten sich beide, wie ich vorher dargelegt habe, an Fleiß, Geist und Gelehrsamkeit vor Allen aus, sondern jeder war auch in seiner Art vollkommen, dergestalt, daß der Schmuck der Rede weder bei Antonius fehlte noch bei Crassus in zu vollem Maße da war.

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