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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 164
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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II. 5. Es ist bekannt, daß er damals sehr Vieles mit der äußersten Anstrengung seines Gemüthes, seines Geistes und seiner Körperkräfte redete und in den schönsten und nachdrücklichsten Worten auf den Beschluß antrug, den auch der zahlreich versammelte Senat genehmigte, um dem Römischen Volke Genüge zu leisten, habe es der Senat dem Gemeinwesen weder an seinem Rathe noch an redlichem Willen fehlen lassen, und daß er gleichfalls, wie aus den zur Beglaubigung vorgesetzten NamenEinem Senatsbeschlusse setzten zur Beglaubigung diejenigen, welche demselben beistimmten, ihre Namen vor (praescribebant). zu ersehen ist, bei der Aufzeichnung des Beschlusses gegenwärtig war. 6. Das war der Schwanengesang des unvergleichlichen Mannes, und gleichsam hoffend ihn noch zu vernehmen gingen wirCicero, damals etwa 16 Jahre alt, besuchte kurz nach dem Tode des Crassus zum ersten Male die Curie. nach seinem Tode in die Curie, um die Stätte selbst zu betrachten, wo er zuletzt gestanden hatte. Denn schon während der Rede – so hörten wir – empfand er Seitenstechen, das von einem starken Schweiße begleitet wurde; hierauf trat Frostschauer ein. So kehrte er mit Fieber nach Hause zurück, und sieben Tage darauf starb er am Seitenstechen. 7. O wie trügerisch ist der Menschen Hoffnung, wie hinfällig ihr Glück, wie eitel unsere Bestrebungen, die oft mitten aus der Bahn zerschellen und zusammenstürzen oder während des Laufes selbst von den Fluten verschlungen werden, ehe sie den Hafen erblicken können. Denn so lange des Crassus Leben von den Mühen der Amtsbewerbung in Anspruch genommen war, stand er zwar durch seine außerordentlichen Dienstleistungen und durch die Vorzüge seines Geistes in großem Ansehen; aber weniger erfreute er sich des Genusses seiner hohen Stellung im Staate und der Würde, die er sich durch Verdienste um das Gemeinwesen erworben hatte. Das erste Jahr aber, das ihm nach Verwaltung der Ehrenämter unter allgemeiner Billigung den Zugang zu dem höchsten Ansehen eröffneteCrassus, damals 50 Jahre alt, hätte sich nun nach Verwaltung der höheren Ehrenämter (im Jahre 95 v. Chr. war er Consul und im Jahre 93 Censor gewesen) von den Staatsgeschäften zurückziehen und im Genusse der höchsten Ehre und des höchsten Ansehens bei seinen Mitbürgern seine Zeit glücklich verleben können, wenn ihn nicht der Tod plötzlich dahingerafft hätte., vereitelte durch den Tod alle seine Hoffnungen und alle seine Lebenspläne. 8. Jammervoll war dieß für die Seinigen, herb für das Vaterland, schmerzlich für alle Gutgesinnten; aber gleichwol sind nachher solche Mißgeschicke über den Staat gekommen, daß ich glauben muß, die unsterblichen Götter haben dem Lucius Crassus das Leben nicht entrissen, sondern den Tod geschenkt. Nicht sah er Italien vom KriegeEr meint den Marsischen oder Italischen Krieg, den Bundesgenossenkrieg (91–80 v. Chr.), in Folge dessen allen Römischen Bundesgenossen das Bürgerrecht ertheilt wurde. entbrannt, nicht den Senat von glühendem Hasse verfolgtDer Senat hatte sich so großen Haß zugezogen, weil man glaubte, daß der Bundesgenossenkrieg durch die Hartnäckigkeit, mit der er den Bundesgenossen das Bürgerrecht verweigerte, hervorgerufen worden sei. Der Volkstribun Varius Hybrida hatte den Gesetzesvorschlag gemacht, daß eine gerichtliche Untersuchung über diejenigen gehalten werden sollte, die den Bundesgenossenkrieg veranlaßt hätten. Dieser Vorschlag wurde mit gewaffneter Hand durchgesetzt., nicht die Häupter des Staates eines verruchten Frevels angeschuldigt, nicht die Trauer der TochterDie ältere Tochter des Crassus war die Gattin des Publius Scipio Nasica, der in dem Bürgerkriege auf Seiten des Gajus Marius stand und von seinen Truppen im Stich gelassen in die Hände des Sulla gerieth und von diesem verbannt wurde., nicht die Verbannung des Eidams, nicht die schmähliche Flucht des Gajus MariusGajus Marius hatte es im Jahre 88 v. Chr. mit Hülfe des Volkstribunen Sulpicius durchgesetzt, daß ihm von dem Volke der Oberbefehl im Mithridatischen Kriege übertragen wurde, obwol derselbe schon dem Sulla vom Senate zuerkannt worden war. Der Consul Sulla flüchtete aus Rom zu seinem bei Nola stehenden Heere und rückte dann mit demselben vor Rom gegen Marius. Dieser wurde besiegt, entkam aber durch die Flucht, auf welcher der siebzigjährige Greis die schrecklichsten Drangsale erleiden mußte. Sulla zog darauf gegen Mithridates; Marius aber, die Abwesenheit des Sulla benutzend, rückte mit Cinna vor Rom, eroberte es und nahm blutige Rache., nicht jene allergrausamsten Mordgräuel nach dessen Rückkehr, nicht endlich den Staat in jeder Hinsicht entehrtDiese Worte beziehen sich auf die Schreckensherrschaft des Sulla, die im J. 82 v. Chr. nach seiner Rückkehr begann., in dessen höchster Blüte er selbst Alle an Ruhm weit überragt hatte.

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