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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 163
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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Drittes Buch.

I. 1. Indem ich es unternehme, mein lieber Bruder Quintus, das Gespräch, das Crassus nach des Antonius Vortrage gehalten hatte, mitzutheilen und in diesem dritten Buche aufzuzeichnen, erneuert eine recht herbe Erinnerung in meinem Innern eine alte Trauer und schmerzliche Verstimmung. Denn jener der Unsterblichkeit würdige Geist, jene ächt menschliche Bildung, jene Tugend des Lucius Crassus erlosch durch einen plötzlichen Tod, kaum zehn Tage nach dem Tage, den dieses und das vorige Buch umfaßt. 2. Als er nämlich am letzten Tage der TheaterspieleDie Theaterspiele (Trauerspiele und Lustspiele) bildeten einen Theil der Römischen Spiele: wegen dieser s. zu Buch I. Kap. 7. Anm. 88. nach Rom zurückgekehrt war, hatte er eine heftige Gemüthserschütterung über die Rede, die, wie er hörte, PhilippusUeber den Consul Philippus und den Volkstribun Drusus S. zu Buch I. Kap. 7. Anm. 86. in einer Vollversammlung gehalten hatte, in der er bekanntlich die Aeußerung that, nach einer anderen Rathsversammlung müsse er sich umsehen, mit dem jetzigen Senate könne er für die Wohlfahrt des Staates Nichts ausrichten. Am dreizehnten September des Morgens begab er sich auf Ladung des Drusus in die Curie, wo sich der Senat zahlreich einfand. Hier trug Drusus viele Beschwerden gegen Philippus vor, und insonderheit stattete er dem Senate Bericht über die harten Schmähungen ab, mit denen der Consul diesen Stand in der Volksversammlung angegriffen hatte. 3. Bei Diese Periode habe ich etwas frei übersetzen müssen, da die anakoluthische Konstruktion, deren sich Cicero bedient hat, eine durchaus treue Uebertragung unmöglich zuläßt. dieser Gelegenheit redete Crassus, wie ich oft die einsichtsvollsten Männer einmüthig habe behaupten hören, unvergleichlich schön. Denn obwol ihm, so oft er einige Sorgfalt auf seine Reden verwendete, fast immer das Glück zu Theil wurde, daß man von ihm rühmte, er habe nie besser geredet, so urtheilten doch damals Alle einhellig so, Crassus habe zu jeder Zeit alle anderen Redner, an diesem Tage aber sich selbst übertroffen. Er beklagte nämlich das Mißgeschick und die verwaiste Lage des Senates, da diesem Stande von dem Consul, der demselben gleichsam ein guter Vater oder treuer Vormund sein sollte, wie von einem verruchten Räuber die angeerbte WürdeDie Gerichtsbarkeit. S. zu Buch I. Kap. 7. Anm. 86. entrissen werde; und wahrlich man dürfe sich nicht wundern, wenn er, der durch seine Rathschläge den Staat zu Grunde gerichtet habe, nun auch die Rathschläge des Senates dem Staate entziehen wolle. 4. Als er durch diese Worte den Philippus, einen leidenschaftlichen, beredten und besonders zum Widerstande entschlossenen Mann, gleichsam in Flammen gesetzt hatte, so konnte dieser sich nicht länger halten sondern entbrannte von heftigem Zorne und gedachte durch AuspfändungDie Consuln hatten das Recht Senatoren auspfänden zu lassen und eine Geldstrafe über sie zu verhängen, wenn sie ohne triftigen Grund im Senate nicht erschienen, oder wenn sie die Würde des Consuls verletzten. Zuerst wurden ihnen Pfänder weggenommen, dann aber wurde nach Untersuchung der Sache eine Geldstrafe bestimmt. Nach Bezahlung des Geldes wurden die Pfänder zurückgegeben; wurde aber das Geld nicht bezahlt. so werden die Pfänder vernichtet oder verkauft. S. Henrichsen zu dieser Stelle. den Crassus zur Ordnung zu verweisen. Aber gerade bei dieser Veranlassung sagte Crassus Vieles in begeisterter Rede, wie man rühmend erzählt, indem er erklärte, den könne er nicht als einen Consul anerkennen, der ihn nicht als Senator anerkenne. »Du, der du das ganze Ansehen des gesammten Standes einem Pfande gleich geachtet und vor den Augen des Römischen Volkes vernichtet hastDurch die oben erwähnte Aeußerung: »nach einer anderen Rathsversammlung müsse er sich umsehen« u. s. w., du meinst, ich könne durch diese Pfänder eingeschüchtert werden? Nicht sie mußt du vernichten, wenn du den Lucius Crassus zur Ordnung verweisen willst; nein, diese Zunge mußt du mir aufschneiden; ja wenn du diese herausgerissen hast, so wird mein Freiheitsgefühl auch noch mit dem bloßen Athem deiner Willkür widerstreben.«

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