Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 161
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

LXXXIX. 362. Was uns betritt, erwiderte Catulus, (ich antworte nämlich für mich und meinen Bruder;) so verzeihen wir dir nicht nur, sondern sind auch von Hochachtung und inniger Dankbarkeit gegen dich erfüllt; und sowie wir deine freundliche Gesinnung und Güte anerkennen, so müssen wir die Fülle deines Wissens bewundern. Ich meinerseits glaube auch noch den Gewinn gezogen zu haben, daß ich mich jetzt eines großen Irrtums entledigt und von der Verwunderung, die ich immer mit vielen Anderen zu theilen pflegte, befreit fühle, woher du nämlich deine Kunstmeisterschaft in der gerichtlichen Beredsamkeit habest. Ich glaubte ja nicht, daß du dich mit den Kunstregeln befaßt hättest, die du doch, wie ich jetzt sehe, auf das Gründlichste erforscht und überallher gesammelt und, durch Erfahrung belehrt, theils verbessert theils anerkannt hast. 363. Aber darum bewundere ich um nichts weniger deine Beredsamkeit, ja deine Tüchtigkeit und Sorgfalt noch weit mehr, und ich freue mich zugleich meine innigste Ueberzeugung bestätigt zu finden; denn von jeher war ich der Ansicht, Niemand könne das Lob der Weisheit und Beredsamkeit ohne den größten Fleiß, ohne die größte Anstrengung und Gelehrsamkeit erlangen. Doch was sollte wol deine Aeußerung bedeuten, wir würden dir verzeihen, wenn wir den Grund erführen, der dich zu dieser Unterredung veranlaßt habe? Was kann es für ein anderer Grund sein als dein Wunsch uns und dem Streben dieser jungen Männer, die dir mit der gespanntesten Aufmerksamkeit zugehört haben, zu willfahren? 364. Hierauf sagte Antonius: Ich wollte dem Crassus allen Anlaß zur Weigerung benehmen, weil ich wußte, daß er aus zu großer Bescheidenheit oder Unlust (denn von einem so liebenswürdigen Manne möchte ich nicht sagen: aus stolzer Verachtung) sich in eine solche Unterhaltung nicht einläßt. Denn was wird er vorschützen können? Etwa er sei Consul und Censor gewesen? Dasselbe Verhältniß findet auch bei mir statt. Oder wird er sein Alter anführen? Er ist um vier Jahre jünger als ich. Oder er verstehe diese Dinge nicht? Was ich erst spät, was ich flüchtig, was ich, wie man zu sagen pflegt, in Nebenstunden aufgerafft habe, das hat er von Kindheit an mit dem größten Eifer von den besten Lehrern erlernt. Nichts will ich von seiner geistigen Begabung sagen, worin ihm Niemand gleichkommt. Nie hat Jemand, der mich reden hörte, eine so geringe Meinung von sich gehabt, daß er nicht hätte hoffen sollen entweder besser als ich, oder ebenso gut reden zu können; wenn aber Crassus redete, so war Niemand so sehr von sich eingenommen, daß er sich hätte zutrauen sollen es ihm je gleich zu thun. Damit nun diese uns so werthen Männer nicht vergeblich gekommen sein mögen, so laß uns, Crassus, nun endlich einmal vergönnt sein dich zu hören.

 << Kapitel 160  Kapitel 162 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.