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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 160
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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LXXXVIII. 359. Aber das Wortgedächtniß, das für uns jedoch minder nothwendig ist, unterscheidet sich durch eine größere Mannigfaltigkeit der Bilder. Es gibt nämlich viele Wörter, welche, gleichsam wie Gelenke, die Glieder der Rede verknüpfen. Die lassen sich durch keine sinnliche Bezeichnung vorstellen, und wir müssen uns daher für sie willkürliche Bilder aussinnen, die wir immer gebrauchen können. Das Sachgedächtniß ist eine wesentliche Eigenschaft des Redners. Dieses können wir durch einzelne aufgestellt Bilder kenntlich machen, indem wir die Gedanken an die Bilder, die Gedankenfolge aber an die Plätze knüpfen. 360. Auch ist nicht wahr, was von trägen Menschen gesagt wird, das Gedächtniß erliege unter der Last der Bilder, und sogar das werde hierdurch verdunkelt, was es durch sich selbst vermöge seiner natürlichen Kraft hätte festhalten können. Denn ich habe ausgezeichnete Männer von einem fast übermenschlichen Gedächtnisse gekannt, zu Athen den CharmadasS. I. 11, 45., in Asien den MetrodorusMetrodorus aus Skepsis, einer Stadt im Troischen Gebiete, ein Schüler des Charmadas. aus Skepsis, der noch jetzt leben soll, die mir beide versicherten, daß sie, wie durch Buchstaben aus Wachs, so durch Bilder auf den Plätzen, die sie sich ausgewählt hätten, das, was sie im Gedächtnisse behalten wollten, niederschrieben. Durch diese Uebung nun läßt sich zwar das Gedächtniß, wo keines von Natur vorhanden ist, nicht herausarbeiten, aber sicherlich, wo es versteckt liegt, hervorlocken. 361. Hier habt ihr nun die ziemlich lange Rede eines Menschen, der, wenn er auch eben nicht auf große Bescheidenheit Ansprüche machen darf, doch nicht für unverschämt gelten möge, weil er vor dir, mein Catulus, und vor Lucius Crassus so Viel von der Redekunst gesprochen hat. Denn der Uebrigen Alter durfte mir vielleicht weniger Bedenklichkeit machen. Doch ihr werdet mir in der That verzeihen, wenn ihr nur die Ursache vernehmen werdet, die mich zu dieser ungewöhnlichen Geschwätzigkeit verleitet hat.

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