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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 16
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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VI. 20. Und nach meiner Ansicht wenigstens wird Niemand ein in jeder Hinsicht vollkommener Redner sein können, wenn er sich nicht Kenntnisse von allen wichtigen Gegenständen und Wissenschaften angeeignet hat. Denn aus der Erkenntniß der Sachen muß die Rede erblühen und hervorströmen. Hat der Redner die Sachen nicht gründlich erfaßt und erkanntNach Ellendt's, auf die Handschriften gestützte, Verbesserung: quae nisi sint ab oratore percepta et cognita. Nur möchte ich für sint den Indikativ sunt lesen, da sich Cicero ganz bestimmt ausdrückt. Früher las man nach bloßer Muthmaßung: quae (sc. oratio), nisi subest res ab or, p. et cognita., so ist sein Vortrag nur ein leeres und ich möchte sagen kindisches Gerede. 21. Nicht jedoch will ich den Rednern, zumal den unsrigen, deren Zeit von den Geschäften des Staatslebens so sehr in Anspruch genommen wird, eine so große Last aufbürden, daß ich ihnen nicht vergönnen sollte Einiges nicht zu wissen; wiewol der Begriff des Redners und sein Beruf selbst gut zu reden das auf sich zu nehmen und zu verheißen scheint, daß er über jeden Gegenstand, der ihm vorgelegt wird, mit Geschmack und Fülle reden könne. 22. Aber weil ich nicht zweifle, daß dieß gar Vielen als eine unermeßliche und unbegränzte Aufgabe erscheint, und weil, wie ich sehe, die Griechen, die doch nicht allein mit geistigen Anlagen und Gelehrsamkeit reichlich ausgestattet sind, sondern auch an Muße Ueberfluß haben und sehr großen Eifer besitzen, eine Theilung der Wissenschaften vorgenommen, und Einzelne von ihnen sich nicht dem ganzen Gebiete derselben zugewandt, sondern von den übrigen Arten der Vorträge den Theil der Beredsamkeit, welcher sich mit den öffentlichen Verhandlungen in den Gerichten und beratschlagenden Versammlungen beschäftigt, ausgesondert und den Redner auf diese einzige Art von Vorträgen beschränkt haben: so will ich in diesen Büchern nicht mehr umfassen, als was dieser Art nach gründlicher Untersuchung und Erörterung der Sache von den größten Männern fast einstimmig zugetheilt worden ist. 23. Und ich werde nicht, von der Wiege unserer ersten Schulbildung ausholend, eine Reihenfolge von Vorschriften geben, sondern das mittheilen, was, wie ich vernommen, einst die beredtesten und durch jede Würde hervorragenden Männer unseres Volkes in einer Unterredung abgehandelt haben; nicht als ob ich das verachtete, was Griechische Redekünstler und Lehrer hinterlassen haben, sondern da dieß offen vorliegt und Allen zugänglich ist und durch meine Auslegung nicht anschaulicher entwickelt und deutlicher ausgedrückt werden kann: so wirst du mir, lieber Bruder, wie ich glaube, gestatten, daß ich die Lehrsätze derer, denen die Unsrigen den höchsten Ruhm in der Beredsamkeit zuerkannt haben, denen der Griechen vorziehe.

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