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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 151
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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LXXIX. 320. Jeder Eingang aber muß entweder eine Andeutung der ganzen zu verhandelnden Sache geben oder den Weg zur Verhandlung eröffnen und anbahnen oder der Rede Zier und Würde verleihen. Aber sowie man Häusern und Tempeln Vorhöfe und Eingänge vorsetzen muß, die in einem richtigen Verhältnisse zu dem Gebäude stehen, so den Reden Eingänge, die dem Verhältnisse der Sachen entsprechen. Daher ist es bei geringfügigen und wenig besuchten Verhandlungen oft zweckmäßiger mit der Sache selbst zu beginnen. 321. Wenn man aber einen Eingang anwenden muß, wie es gemeiniglich der Fall ist; so kann man seine Gedanken entweder von dem Angeklagten oder von dem Gegner oder von der Sache oder von denen, vor welchen die Sache verhandelt wird, herleiten. Von dem Angeklagten oder Schutzbefohlenen (Schutzbefohlene nenne ich die, deren Sache wir vertheidigen), wenn man das anführt, was geeignet ist ihn als einen braven, edelen, unglücklichen, des Mitleids würdigen Mann darzustellen und falschen Beschuldigungen entgegenzutreten; von dem Gegner, wenn man dieselben Beweisquellen für das Gegentheil benutzt; 322. von der Sache, wenn man sie als grausam, als ruchlos, als unerwartet, als unverschuldet, als jammervoll, als unangenehm, als unwürdig, als unerhört, als unersetzlich und unheilbar schildert; von denen, vor welchen die Sache verhandelt wird, wenn man ihr Wohlwollen und ihre Geneigtheit zu gewinnen sucht. Dieß wird freilich besser durch den Vortrag als durch Bitten erreicht. Denn diesem Bestreben muß sich über die ganze Rede erstrecken und besonders am Schlusse hervortreten; aber dennoch fließen viele Eingänge aus dieser Quelle. 323. Denn die Griechen lehren, daß man im Eingange den Richter aufmerksam und gelehrig machen soll. Dieß ist nützlich, gehört aber den übrigen Theilen der Rede ebenso gut an als dem Eingange; es ist jedochIn den Handschriften steht faciliora etiam; man erwartet aber wegen des Gegensatzes faciliora autem. Daher hält Ellendt das Wort etiam für verdorben. im Eingange leichter, weil die Zuhörer theils dann die gespannteste Aufmerksamkeit haben, wenn sie noch Alles erwarten, theils im AnfangeEllendt hält initiis für eingeschoben. in höherem Grade für Belehrung empfänglich sein können. Denn was in den Eingängen gesagt wird, fällt mehr in die Augen, als was in der Mitte der Verhandlung vorkommt, sei es nun in der Beweisführung oder in der Widerlegung. 324. Den reichlichsten Stoff der Eingänge für die Gewinnung oder Aufreizung der Richter wird man aber aus den Quellen herleiten, welche die Sache selbst für Erregung der Gemüthsbewegungen bietet; jedoch darf man diese im Eingange nicht ganz erschöpfen, sondern man muß im Anfange dem Richter nur einen leisen Stoß geben, damit die nachfolgende Rede auf den schon sich neigenden losdränge.

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