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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 141
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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LXIX. 278. Witzig sind auch solche Aeußerungen, in welchen das Lächerliche so versteckt liegt, daß man es nur erraten kann. Hierher gehört die Antwort, die ein Sicilier einem Freunde gab, der ihm unter Wehklagen erzählte, seine Frau habe sich an einem Feigenbaume aufgehängt. »Ei,« sagte er, »ich werde dir sehr verbunden sein, wenn du mir von diesem Baume einige Propfreiser zum Verpflanzen gibst.« Eben dahin gehört auch, was Catulus zu einem schlechten Redner sagte. Dieser meinte nämlich am Schlusse seiner Rede Mitleiden erregt zu haben, und sobald er sich niedergesetzt hatte, fragte er ihn, ob er glaube, daß er Mitleiden eingeflößt habe. »Ja gewiß,« erwiderte Catulus, »und zwar recht großes. Denn Niemand, glaub' ich, ist so hartherzig, daß ihm deine Rede nicht hätte Mitleid einflößen sollen.« 279. Auf mich wenigstens macht in der That auch das Lächerliche einen großen Eindruck, das in Unwillen und etwas mürrisch vorgetragen wird, jedoch nicht, wenn es von einem mürrischen Menschen ausgeht; denn alsdann wird nicht der Witz, sondern der Charakter belacht. Von dieser Art ist meines Bedünkens jene Stelle bei NoviusS. zu Kap. 63. Anmerk. 480. sehr witzig:

>Sohn.                           Warum mein Vater, weinest du?

Vater. Ich soll wol singen, nachdem ich verurtheilt bin?

Zu dieser Art des Lächerlichen bildet diejenige gleichsam einen Gegensatz, welche in der Aeußerung eines Geduldigen und Gleichgültigen besteht, wie zum Beispiel Cato, als er von einem Menschen, der eine Kiste trug, gestoßen worden war, und dieser ihm alsdann zurief: »Vorgesehen!« ihn fragte, ob er außer der Kiste noch etwas Anderes trage. 280. Auch der Tadel der Dummheit kann mit Witz verbunden sein. Ein Beispiel hiervon gibt uns jener Sicilier, dem der Prätor ScipioWelcher Scipio hier gemeint sei, läßt sich nicht angeben. zum Anwalte in seiner Rechtsstreitigkeit seinen Gastfreund, einen vornehmen, aber sehr dummen Mann, gab. »Ich bitte dich, Prätor, sagte er, gib meinem Gegner diesen Anwalt; dann brauchst du mir keinen zu geben.« Wirksam ist auch, wenn man Etwas durch Muthmaßung ganz anders, als es gemeint ist, erklärt, aber geistreich und treffend. Zum Beispiel: ScaurusMarcus Aemilius Scaurus, s. zu I. 49, 214. klagte den Rutilius, obwol er selbst das Consulat erlangt hatte, dieser hingegen zurückgesetzt worden war, wegen unrechtmäßiger Amtsbewerbung an und zeigte in dessen Rechnungsbüchern die Buchstaben A. F. P. R. vor, die er so deutete: Actum Fide Publii Rutilii, d.h. »aufgewandt auf Kredit des Publius Rutilius,« Rutilius hingegen so: Ante Factum, Post Relatum d. h. »erst ausgegeben, dann eingetragen.« Da rief Gajus Canius, ein Römischer Ritter, der den Rutilius vertheidigte, mit lauter Stimme aus, weder das Eine noch das Andere werde durch jene Buchstaben bezeichnet. – »Was also?« fragte Scaurus. Aemilius Fecit, Plectitur Rutilius, d. h. »Aemilius ist der Schuldige, Rutilius der Büßende.«

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