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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 14
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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IV. 13. Auch das läßt sich nicht mit Recht anführen, daß die Mehrzahl sich der anderen Wissenschaften befleißige oder durch größeres Vergnügen oder reichere Hoffnung oder glänzendere Belohnungen zur Erlernung derselben aufgemuntert werde. Und um Griechenland zu übergehen, das in der Beredsamkeit immer den Vorrang behaupten wollte, und jene Erfinderin aller Wissenschaften, die Stadt Athen, wo die höchste Redekunst erfunden und zur Vollkommenheit gebracht worden ist, in unserem Staate selbst wurde nie irgend einem Gegenstande größerer Fleiß und Eifer zugewandt als der Beredsamkeit. 14. Denn nachdem unsere Herrschaft über alle Völker begründet war, und die Dauer des Friedens das ruhige Leben befestigt hatte; so fand sich nicht leicht ein ruhmbegieriger Jüngling, der nicht der Ansicht gewesen wäre mit allem Eifer nach Beredsamkeit streben zu müssen. Anfänglich zwar bei dem gänzlichen Mangel an wissenschaftlicher Bildung, da man weder von einem geregelten Verfahren der Uebung noch von einer Kunstregel eine Ahnung hatte, brachte man es so weit, als es durch Naturanlage und Nachdenken möglich war. Später aber, als man die Griechischen Redner hörte, ihre Schriften kennen lernte und Lehrmeister anwandte, entbrannten unsere Landsleute von einem unglaublichen Eifer für Beredsamkeit. 15. Aufmunterung fanden sie in der Wichtigkeit, Mannigfaltigkeit und Menge der Rechtsverhandlungen jeglicher Art, so daß zu der gelehrten Bildung, die jeder durch eigenen Fleiß gewonnen hatte, häufige Uebung hinzutrat, welche die Vorschriften aller Lehrmeister übertrifft. Es waren auch diesen Bestrebungen die größten Belohnungen, sowie auch jetzt noch, in Beziehung auf Einfluß, Macht und Würde ausgesetzt. Die geistigen Anlagen unserer Landsleute aber zeichnen sich, wie wir aus vielen Umständen schließen können, sehr vor denen der übrigen Menschen unter allen Völkern aus. Erwägt man diese Gründe, wen dürfte es nicht mit Recht befremden, daß sich in der ganzen Geschichte aller Lebensalter, Zeiten und Staaten eine so geringe Anzahl von Rednern findet? Aber freilich ist es ein schwierigeres Werk, als die Menschen wähnen, und aus dem gemeinsamen Zusammenwirken mehrerer Wissenschaften und Bestrebungen hervorgegangen.

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