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Marcus Tullius Cicero: Vom Redner - Kapitel 130
Quellenangabe
typetractate
booktitleVom Redner
authorCicero
translatorRaphael Kühner
firstpub1858
year1873
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Redner
pagesI
created20041019
sendergerd.bouillon
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LVIII. 235. Aber, entgegnete Julius, die Bewirtung, die du bei mir findest, wirst du eben nicht sehr freundlich nennen. Denn sobald du einige Bissen gekostet hast, werde ich dich wieder auf die Straße stoßen und hinauswerfen. Doch, um euch nicht länger aufzuhalten, will ich euch über diesen ganzen Gegenstand meine Ansicht ganz kurz darlegen. In Betreff des Lachens sind es fünf Punkte, die zur Untersuchung kommen: erstens, was es sei; zweitens, woher es entstehe; drittens, ob die Absicht Lachen zu erregen dem Redner gezieme; viertens, in wie weit; fünftens, was es für Arten des Lächerlichen gebe. Was nun den ersten Punkt anlangt, was das Lachen selbst sei, wie es erregt werde, wo es seinen Sitz habe, wie es entstehe und so plötzlich hervorbreche, daß wir es beim besten Willen nicht zurückhalten können, und wie es zugleich Brust, Mund, Adern, Augen, Mienen ergreife: das mag DemokritusDemokritus aus Abdera in Thracien, geb. 450 v. Chr., belachte, wie man erzählt, stäts die Thorheiten der Menschen. zum Gegenstande seiner Untersuchungen machen. Denn dieß steht in keiner näheren Beziehung zu unserem Gespräche, und wäre dieß auch der Fall, so würde ich mich meiner Unwissenheit in einer Sache nicht schämen, die nicht einmal denen bekannt ist, welche sich rühmen sie zu kennen. 236. Der Sitz und so zu sagen das Gebiet des Lächerlichen (denn dieß ist die nächste Frage) findet sich in dem Unschicklichen und Häßlichen; denn nur das oder doch vorzüglich das wird belacht, wodurch eine Unschicklichkeit auf nicht unschickliche Weise kenntlich gemacht und bezeichnet wird. Um aber auf den dritten Punkt zu kommen, so kommt es dem Redner zu Lachen zu erregen, theils, weil die Heiterkeit an sich dem Wohlwollen gewinnt, durch den sie erregt worden ist, theils, weil Alle den Scharfsinn bewundern, der oft in einem einzigen Worte liegt, vorzüglich in Antworten, zuweilen auch im Angriffe, theils, weil dadurch der Gegner entmutigt, verwirrt, geschwächt, abgeschreckt, zurückgeschlagen wird, theils, weil es den Redner selbst als einen fein gebildeten, aufgeklärten, geistreichen Mann ankündigt, und ganz besonders, weil es den finsteren Ernst mildert und mäßigt, und oft verdrießliche Angelegenheit, die sich durch Beweisgründe nicht leicht widerlegen lassen, durch Scherz und Lachen entschieden werden. 237. In wie weit aber der Redner das Lächerliche behandeln soll, was wir als die vierte Frage aufgestellt hatten, das verdient eine sehr sorgfältige Erwägung. Denn weder die Verspottung einer ausgezeichneten und mit Ruchlosigkeit verbundenen Schlechtigkeit, noch hinwiederum die eines ausgezeichneten Elendes erregt Lachen. Denn lasterhafte Menschen will man mit schärferen Waffen als mit denen des Lächerlichen verwundet sehen; unglückliche aber will man nicht verspottet sehen, es müßte denn sein, daß sie sich wichtig machten. Ganz besonders aber muß man die Hochachtung schonen, damit man nicht unbesonnen gegen die rede, welche in Achtung stehen.

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